6. März 2021
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Horst sagt Tschüs

In seinem mit Hamburg-Fotos geschmückten Container empfängt Horst  (l.) Max Bryan von der Bürgerinitiative für Hamburger Obdachlose Foto: mf

In seinem mit Hamburg-Fotos geschmückten Container empfängt Horst (l.) Max Bryan von der Bürgerinitiative für Hamburger Obdachlose Foto: mf

NIENDORF Der Abschied fällt Horst nicht leicht: „Das ist sehr schmerzhaft. Ich habe hier viele Freunde gefunden“, sagt der 62-Jährige, der vor einem Jahr einen Wohncontainer der Bürgerinitiative „Hilfe für Hamburger Obdachlose“ in Niendorf bezogen hat.

In dem zweckmäßig eingerichteten Container, der in der Nähe der Kollaustraße steht, hat Horst sich mit Bildern an den Wänden und Sammelstücken wie Steine und Feuerzeuge ein Zuhause geschaffen: „Füße abtreten, ich habe gefeudelt!“ bittet er vor Betreten des blitzeblank geputzten Raumes. Seine Lebensmittel bezahlt er von Flaschen- und Dosenpfand, die er am Niendorfer Markt sammelt: „Im Sommer läuft das sehr gut, und auch, wenn Wochenmarkt ist“, erzählt der gebürtige Kieler, der nach dem Tod seiner Frau die Wohnung nicht mehr bezahlen konnte und zwei Jahre auf der Straße lebte.

Dort wurde Max Bryan von der BI auf ihn aufmerksam: „Er war total durchgefroren und hatte zehn Pullover übereinander an“, erinnert er sich. Die Miete für den Wohncontainer wird aus Einzelspenden beglichen. Der Standort wird kostenfrei zur Verfügung gestellt, soll aber zum Schutz des Bewohners nicht genannt werden, denn vor einigen Monaten wurde das Toilettenhäuschen neben dem Container abgebrannt. „Wir wollen uns auch nicht von Horst trennen, aber dauerhaft ist es ja kein Leben im Container“, sagt Max Bryan und freut sich, dass Horst ein fester Wohnsitz in Eckernförde angeboten wurde. In den Niendorfer Wohncontainer soll dann ein anderer Mensch ohne Obdach einziehen: „Wir verteilen jeden Sonntag Spenden am Hauptbahnhof. Dort gucken wir dann, wer am übelsten dran ist“, erklärt Max Bryan das Auswahlverfahren. Der Aktivist weiß, was Obdachlosigkeit bedeutet, da er 2010 nach dem Verlust seiner Wohnung selbst auf der Straße landete und im Winternotprogramm unterkam: „Privatsphäre und ein eigenes Reich zum Abschließen sind ganz wichtig“, weiß er aus Erfahrung. mf

Wer die Hilfe für Hamburger Obdachlose unterstützen möchte: www.hamburger-obdachlose.de

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