22. April 2020
Hamburg

Unsere Grundrechte – gestern und heute

Stadtteilkulturpreis für Zinnschmelze-Projekt

Zinnschmelze

„Die Grundrechte leben davon, dass wir sie nutzen“, sagt Sonja Engler, Geschäftsführerin der Zinnschmelze Foto: Martin D‘Costa

HAMBURG Welche enorme, aktuelle Brisanz das Thema bald haben würde, konnte niemand ahnen, als die Zinnschmelze im September 2019 ihre Veranstaltungsreihe „Unantastbar. Grundrechte – Greif zu!“ startete: Zur Eindämmung des schnellen Ausbreitens des Coronavirus ist zum Beispiel das Recht auf Versammlungsfreiheit seit Wochen stark eingeschränkt.

Den Hamburger Stadtteilkulturpreis 2020 für ihr Grundrechte-Projekt konnte das Barmbeker Kulturzentrum deshalb vor kurzem auch nicht – wie geplant – im Rahmen einer feierlichen Zeremonie entgegennehmen. Statt vor geladenen Gästen gab es eine Aufzeichnung, an der via Internet auch die Öffentlichkeit teilhaben konnte.

„In Zeiten, in denen die absolute Geltung von Grundrechten nicht mehr selbstverständlich für alle zu sein scheint, zeigt das Projekt die besondere politische und kulturelle Relevanz und fördert die Auseinandersetzung mit den Grundlagen unserer Demokratie“, begründet die Jury ihre Entscheidung, die schon vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie gefallen war.

Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Ob auf der Demo zum Klimawandel, bei der Arbeit oder in unseren Kommentaren auf Facebook – die Grundrechte begegnen uns im Alltag an jeder Ecke. Trotzdem sind sie aber viel zu oft im Verborgenen und viel zu wenig bekannt.

Die Zinnschmelze hat das deutsche Grundgesetz im 70. Jahr seines Bestehens für eine breite Zielgruppe und mit unterschiedlichsten Kooperationspartnern vielfältig erlebbar gemacht, unter anderem in Musik und Performance, Film und Puppentheater, Vorträgen und Diskussionen. „Das Thema war eine goldrichtige Entscheidung“, sieht sich Sonja Engler, Geschäftsführerin der Zinnschmelze, bestätigt und hat dabei vor allem die zunehmenden Beschränkungen in Hinblick auf Kunst- und Meinungsfreiheit, das Recht auf Asyl sowie rassistische und rechtsradikale Hetze vor Augen.

„Das Publikum hat sich darauf eingelassen, sich auch überraschen zu lassen und festgestellt, dass es auch Spaß machen kann und ganz viel mit dem persönlichen Alltag zu tun hat“, sagt Engler und zitiert ein achtjähriges Mädchen aus dem beteiligten Kinderchorprojekt: „Du darfst denken, glauben und fühlen, was du willst. Deshalb singen wir ,Die Gedanken sind frei‘.“

Für das Team der Zinnschmelze ist der mit 12.000 Euro dotierte Preis, der gemeinsam von der Kulturbehörde Hamburg, der Gabriele Fink Stiftung, der Hamburgischen Kulturstiftung und der Patriotischen Gesellschaft gestiftet wird, eine „Verpflichtung zum Weitermachen“: Dazu gehört auch, dass die Abschlussveranstaltung, eine Tanzperformance, voraussichtlich am 17. September nachgeholt wird.

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