19. Juni 2021
Hamburg

Spannende Fakten gut gebündelt

Sonderausstellung zur Reichsgründung vor 150 Jahren in Versailles

Gemälde

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871. Anton von Werner schuf das Gemälde 1885. Es ist die einzige erhalten gebliebene Fassung von vier Originalen Fotos: Otto-von-Bismarck-Stiftung

FRIEDRICHSRUH Vor 150 Jahren wurde der deutsche Nationalstaat gegründet. Ein Datum, an dem auch die Otto-von-Bismarck-Stiftung nicht vorbeikommt. Sie eröffnet am Sonntag, 20. Juni, im Bismarck-Museum in Friedrichsruh ihre Sonderausstellung zum Thema „1870/71. Reichsgründung in Versailles“.

Normalerweise ist die Familie Bismarck verantwortlich für alles, was die Besucher im Bismarck-Museum in Friedrichsruh bei ihrem Rundgang durch die Räume erwartet. Neben Säbeln, Kleidung und Orden des berühmten Staatsmannes Otto von Bismarck gehört auch sein Arbeitszimmer dazu. Nun ist in dem historischen Fachwerkhaus direkt gegenüber vom Schloss auch die aktuelle Sonderausstellung untergebracht. Sie beleuchtet jenseits jeglicher Heldenverehrung historische Prozesse und entwirft ein differenziertes Bild von der Zeit der Reichsgründung.

Highlights und Hintergrund

Auf relativ überschaubarer Fläche hat Dr. Maik Ohnezeit, der die Ausstellung kurariert hat, sehr viel Geschichte untergebracht. Neben dem berühmten Gemälde der Kaiserproklamation und dem Reichswappen sind dort unter anderem auch ein Napoleonporträt, ein Stuhl und ein Tisch vom Vorfrieden in Versailles und ein französisches Schnellfeuergeschütz aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zu sehen.

Neben diesen optischen Highlights sorgen Originaldokumente und gut gemachte Begleittexte für aufschlussreiche Hintergrundinformationen und liefern – auch für Schulklassen – einen guten Einblick in die Zeit der Reichsgründung. Wer möchte, kann die Bilder, Karikaturen und historischen Fotografien auf sich wirken lassen. Ein eigener Raum ist dem Thema „Versailles“ als Begegnungsort der Deutschen und Franzosen gewidmet – vom Schauplatz der Niederlage und der Demütigung zum Symbol der deutsch-französischen Freundschaft. „Wir haben immer im Hinterkopf, dass wir zu Europa gehören“, sagt Natalie Wohlleben, Sprecherin der Otto-von-Bismarck-Stiftung.

Erinnerung und Rezeption

Ein Teil der Ausstellung ist übrigens im Friedrichsruher Bahnhof zu sehen, in dem die Stiftung ihren Sitz hat. Hier geht es um die Aspekte Rezeption und Erinnerung. „Eine einheitliche Sicht gibt es nicht“, fasst Dr. Maik Ohnezeit zusammen. „Im Gegenteil, es geht rauf und runter mit der Erinnerung. Was wir in der Ausstellung wiedergeben, sind Fakten und der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem kontrovers diskutierten Thema.“

Die Eröffnung der Ausstellung wird am Sonntag, 20. Juni, um 11 Uhr live im Internet übertragen und ist zu sehen auf dem YouTube-Kanal der Otto-von-Bismarck-Stiftung, YouTube-Kanal Abendblatt TV und Facebook-Kanal der „Bergedorfer Zeitung“. Die Ausstellung läuft vom 22. Juni bis 14. November und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, ab Oktober von 10 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt in Friedrichsruh zu sehen.

Virtueller Rundgang: www.bismarck-stiftung.de

Ausflug in den Sachsenwald

‰ Der Sachsenwald lädt zu herrlichen Spaziergängen oder Radtouren ein. In Friedrichsruh liegt der Kletterpark. Im Hochseilgarten können Kinder und Erwachsene durch die Lüfte kraxeln, in 13 Metern Höhe Fahrrad fahren oder mit dem Skateboard durch die Baumwipfel gleiten. Die Jüngsten klettern auf einem niedrigeren Parcours (Am Holzhof 2, 21521 Aumühle, Telefon 04104/9071511).
‰ Im Garten der Schmetterlinge (Am Schlossteich 8, Friedrichsruh, Telefon 04104/6037) sorgt das 450 Quadratmeter große Tropenhaus mit über 1000 Schmetterlingen und exotischen Pflanzen für faszinierende Augenblicke. Erfrischungen und Snacks gibt’s im Café Vanessa mit Blick auf den Schlossteich.
‰ Technikfans kommen im Eisenbahnmuseum Lokschuppen Aumühle auf ihre Kosten (Sonntags 11–17 Uhr, Am Mühlenteich). Es liegt zwischen Friedrichsruh und Aumühle und lässt sich nicht mit dem Auto erreichen.

Waffe
Die „Mitrailleuse“, ein französisches Schnellfeuergeschütz, ist ein Vorläufer des Maschinengewehrs

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