20. März 2021
Hamburg

So steht es um die Bäume

Kastanien und Ulmen bereiten Sorge. Verbände fordern aktives Programm

Statistik

Grafik: www.skyfish.com

HAMBURG Bäume bewegen das Gemüt der Hanseaten: Für viele Bürgerinnen und Bürger sind sie eine Herzensangelegenheit; wer das Wochenblatt regelmäßig liest, weiß, dass für die Stadtbäume und deren Erhalt immer wieder gekämpft wird: Proteste gegen Fällungen, Initiativen für Pflanzungen – dies alles natürlich nicht ohne Grund.

Bäume sorgen für Lebensqualität in der Stadt. Sie bieten Lebensraum für Tiere, spenden Schatten und speichern CO2. Und selbstverständlich verschönern sie auch das Stadtbild. Immerhin: Hamburg hat unter den deutschen Großstädten den größten Bestand an Straßenbäumen pro 1000 Einwohner.

Die Umweltbehörde hat jetzt einen Bericht über die aktuelle Situation der Stadtbäume herausgegeben, der trotz positiver Tendenz etwas beunruhigt. Der Bestand sei durch Baumkrankheiten, Stürme, Trockenheit, Baumaßnahmen und Versiegelung an vielen Stellen gefährdet, heißt es da. Aber auch: Trotz dieser Herausforderungen wurde das Defizit von Fällungen und Pflanzungen in den Jahren 2019 und 2020 nahezu gestoppt. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) geht ins Detail: „Wir haben seit 2015 den Baumschwund deutlich abgebremst und das Defizit zwischen Fällungen und Pflanzungen an den Straßen liegt jetzt fast bei null.

Das war ein Kraftakt, und der Erhalt des Bestands bleibt eine Herausforderung. Stürme und Hitze, Trockenheit und Baumkrankheiten, Straßenbau und die wachsende Stadt bedeuten Stress und gefährden viele unserer rund 224.000 Straßenbäume.“ Hinzu kommen geschätzt 600.000 Bäume in Parks und Grünanlagen, eine Million Bäume auf privaten Grundstücken und rund sechs Millionen Bäume in Hamburgs Wäldern (auf einer Fläche von 5360 Hektar).

Zum Beispiel ist da die Ulmenkrankheit: Um den Hamburger Bestand von ca. 2000 Ulmen zu sichern, werden die Bäume geimpft. Noch ärger trifft es die Kastanien. Sie werden europaweit durch eine vom Pseudomonas-Bakterium ausgelöste Komplexerkrankung befallen sowie im Spätsommer von der Miniermotte. Es gibt bislang kein Gegenmittel und sie führt in vielen Fällen zum Absterben einer befallenen Kastanie binnen kurzer Zeit. Deshalb werden hier seit 2014 keine Kastanien mehr nachgepflanzt. Der Bestand liegt noch bei knapp 6000 Straßenbäumen. Gemeinsam mit Bezirken, Bürgerschaft, Behörden und Bauträgern werde alles getan, um die Bäume als lebenswichtige Ressource zu schützen und zu erhalten, versichert der grüne Umweltsenator: „Gerade den Altbäumen gilt dabei unser Augenmerk.“

Das meinen BUND und Nabu

„Der Trend stimmt, der Nettoverlust bei den Straßenbäumen ist erstmalig seit langer Zeit gestoppt“, bestätigt der BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch: „Aber ohne Flächenentsiegelung wird der Verlust von mehr als 8000 Straßenbäumen in den letzten zehn Jahren nicht zu kompensieren sein. Wir brauchen in Hamburg ein aktives Programm, in dem versiegelte Flächen wie etwa Parkplätze für das Baumpflanzen zur Verfügung gestellt werden. Zudem merkt der Umweltschützer an: „Und wir brauchen Daten zum Hamburger Hafen, der bekanntlich mitten in der Stadt liegt und ca. zehn Prozent der Landesfläche ausmacht. Der Baumbestand im Hafen erscheint in keiner Statistik, aber hier verliert Hamburg jedes Jahr massiv an Bäumen.“

Ein weiterer Grund für Baumverluste ist übrigens die angestrebte Verkehrswende, hier beißt sich sprichwörtlich die „Katze in den Schwanz“: Der Ausbau der Radwege, Buslinien und der U- und S-Bahnen führt zu Interessenkonflikten mit dem Baumschutz. Rings um Bushaltestationen werden etwa keine Bäume gepflanzt. Auch Wohnungsbau und die Nachverdichtung führen mancherorts zum Verlust von Straßenbäumen.

„Wir begrüßen die zahlreichen Nachpflanzungen von Straßenbäumen, sehen den hohen Grünverlust in Hamburg aber weiterhin kritisch. Auch auf privaten Flächen werden zu viele Bäume gefällt. Der Erhalt von Bäumen muss unbedingt einen höheren Stellenwert bekommen“, sagt Katharina Schmidt, Referentin für StadtNatur beim Nabu Hamburg.

www.hamburg.de/baeume

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