7. April 2022
Hamburg

Redebedarf beim Hamburger Sport

Debatte um Bau eines neuen Stadions nimmt Fahrt auf

Okuhn

„Hamburg muss größer denken“, sagt HFV-Präsident Christian Okun Foto: Zimmermann

HAMBURG An der Frage, ob Hamburg ein weiteres Stadion mit mehr als 10.000 Zuschauern braucht, scheiden sich die Geister. Christian Okun, Präsident des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV), wirbt für ein solches Projekt. Sportstaatsrat Christoph Holstein hält eine Umsetzung dagegen nicht für realistisch. Die unterschiedlichen Positionen zeigten sich beim Lotto-Talk des HFV im Hotel Le Mériden.

„Hamburg muss größer denken, um eine internationale Sportstadt – auch für den Breitensport – werden zu können“, sagt Christian Okun. Der HFV-Präsident ist ein klarer Befürworter eines Stadions, das mehr als 10.000 Zuschauern Platz bietet. Wo soll Teutonia 05 spielen, wenn der Aufstieg in die dritte Liga gelingen sollte? Was passiert mit den HSV-Frauen, die demnächst wieder in der Bundesliga zu finden sein könnten? Warum sind Frauen- und Junioren-Länderspiele des DFB in Hamburg nicht möglich? Wo ist die Heimat für erstklassigen Football, Rugby und Spitzen-Leichtathletik?

Die Antwort auf diese Fragen war für die meisten Diskussions-Teilnehmer beim Lotto-Talk klar. Okun, DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch und Liborio Mazzagatti (Sportlicher Leiter Teutonia 05) warben eindringlich für ein neues Stadion. Auf die Unterstützung der Stadt kann der Sport dabei offensichtlich nicht bauen. Holstein betonte, dass der Profisport seine Infrastruktur selbst finanzieren müsse. Zudem sieht er keinen geeigneten Standort für die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne.

Anlass für die Diskussionen ist der Bau eines Stadions für Altona 93. Dieses wird gebraucht, weil am bisherigen Altona-Standort, der Adolf-Jäger-Kampfbahn, Wohnungen gebaut werden. Am Diebsteich soll für den Regionalligisten als Ersatz ein Stadion mit 5.000 Plätzen entstehen. Teutonia will in das Stadionprojekt einsteigen und hat ein Konzept erstellen lassen, dass den Bau einer 15.000 Zuschauer fassenden Multifunktionsarena vorsieht. Altona 93 hat allerdings kein Interesse an der großen Lösung. Das verdeutlichte der stellvertretende Vorsitzende Ragnar Törber beim Lotto-Talk.

Dort wurde unabhängig vom Standort deutlich: Der Bedarf nach einem größeren Stadion ist da. Und zwar nicht nur für die Fußballer. Max von Garnier, Vorstandsmitglied der Blue Devils, erklärte, dass ein größeres Stadion auch für den boomenden American Football wichtig sei. Der Lotto-Talk zeigte zudem den Schulterschluss verschiedener Sportarten. Zu den Gästen gehörte auch Sebastian Frecke, Geschäftsführer des Handball Sport Vereins Hamburg (HSVH). Der schlug vor, einen Sportgipfel auszurichten, um Kräfte zu bündeln. Holstein will dann offenbar nicht dabei sein und sieht den Austausch als eine interne Angelegenheit der Profivereine an.

Das sorgte bei Okun für Kopfschütteln: „Ich finde es schade, dass Sie die Verantwortung von sich weisen.“ Er hält den Gipfel ebenfalls für überfällig.

Holstein
Hamburgs Sportstaatsrat Christoph Holstein sprach sich gegen den Bau eines Stadions aus, das Platz für 10.000 Zuschauer bietet Foto: Zimmermann

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