6. Oktober 2021
Hamburg

Mit zweiter Chance zum Informatiker

AWO-Ausbildung hilft bei „eckigen“ Lebensläufen

Auch Mädchen können Computer: AWO-Absolventinnen mit Ausbilder Bertram Bollow Fotos: tel

Auch Mädchen können Computer: AWO-Absolventinnen mit Ausbilder Bertram Bollow Fotos: tel

HAMBURG Der riesige Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung eröffnet jungen Menschen großartige Chancen im Berufsleben – und zwar auch solchen, die im konventionellen Schulsystem als gescheitert gelten. Die AWO Akademie in Wandsbek bildet jährlich rund 50 junge Erwachsene zu IT-Fachinformatikern aus.

„Unter unseren Absolventen haben wir Jugendliche ohne Schulabschluss, die bei uns ihre zweite Chance anpacken“, berichtet Akademie-Geschäftsführerin Britta Hinz (58). Manch Jugendlicher scheitert schon bei Bewerbungen wegen seines exotischen Namens, andere haben die Schule in der Pubertät leichtfertig geschmissen, wieder andere hatten schon einschlägige Erfahrungen mit der Justiz gemacht. „Eckige Lebensläufe“ nennt es Britta Hinz. „Wir haben hier viele dabei, die auf eine Bewerbung um ein Praktikum in einem Unternehmen nicht mal eine Antwort bekommen, aber wenn sie nach drei Jahren bei uns die reguläre duale Ausbildung absolviert haben, werden sie von der Wirtschaft mit Kusshand genommen“, berichtet Hinz stolz.

IT-Sozialkaufhaus

Die AWO Akademie existiert bereits seit 1984, zog zweimal um und hat jetzt ihr Domizil an der Straße Auf dem Königslande, schräg gegenüber vom Sonderpostenmarkt Thomas Philipps mit Werkstätten, Büroräumen und sogar einem IT-Sozialkaufhaus. Dort können Personen mit geringem Einkommen von den AWO-Absolventen aufbereitete Elektronik – vom USB-Kabel bis zum Laptop – sehr günstig erwerben. „Zum Beispiel Monitore ab 20 Euro oder Laptops ab 70 Euro“, berichtet Alexander Schemberger (30), ehemaliger AWO-Azubi, der inzwischen das Sozialkaufhaus leitet. Die Geräte stammen meistens aus Spenden von Unternehmen, „werden von unseren Azubis sortiert, gereinigt, repariert und mit Software ausgestattet“, so Schemberger.
Altgeräte gesucht

Neben der regulären dualen Ausbildung gibt es bei der AWO auch noch zahlreiche Absolventen in der sogenannten Berufsvorbereitung, darunter viele Flüchtlinge. Sie helfen beispielsweise beim Recycling von Elektro-Altgeräten, beim Sortieren des anfallenden Elektroschrotts, lernen unter anderem Löten, das Aufsetzen von Bewerbungsschreiben und das Vorstellen. So sind derzeit etwa 45 Azubis und ähnlich viele „Berufsvorbereiter“ in Wandsbek engagiert. Finanziert werden die Maßnahmen von der Schul- und der Sozialbehörde. Mit dem Abklingen von Corona wird bei der AWO Akademie voll durchgestartet. „Jetzt brauchen wir auch wieder verstärkt Altgeräte“, berichtet Britta Hinz.

Entsprechende Spenden können beim IT-Sozialkaufhaus Auf dem Königslande 33
abgegeben werden. Die derzeitigen Öffnungszeiten: Mo–Do von 12–18 Uhr

Akademie- Geschäftsführerin  Britta Hinz ist seit 1986 bei der AWO Foto: tel
Akademie-Geschäftsführerin Britta Hinz ist seit 1986 bei der AWO Foto: tel

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