4. September 2021
Hamburg

Lokstedter Kinderbuchklassiker

Vor 50 Jahren schrieb Stoye Der Wal im Wasserturm

Stoye

Autor Rüdiger Stoye in seinem Eppendorfer Atelier Foto: mf

HAMBURG Wie ein kleiner Wal im Lokstedter Wasserturm landet, dort rasend schnell wächst und von einem cleveren Jungen mit einem abenteuerlichen Manöver zurück ins Meer gebracht wird, davon erzählt das 1971 erschienene Bilderbuch „Der Wal im Wasserturm“.

Das Buch von Rüdiger Stoye begeistert seit 50 Jahren weltweit kleine und große Leser/-innen. Für lokale Leseratten sind Stoyes magisch-realistische Illustrationen des Lokstedter Wahrzeichens, der Straßenbahnlinie 2 und Hamburger Ansichten ein ganz besonderes Vergnügen.

Rüdiger Stoye, 1938 in der Uckermark geboren, ist freier Illustrator und Autor von Kinderbüchern und war 20 Jahre lang Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seine ersten Jahre in der Hansestadt verbrachte er in einer Villa mitten im Niendorfer Gehege: „Im Winter standen die Rehe direkt vor meinem Fenster und im Wald hörte ich Schleiereulen weinen, das war sehr märchenhaft“, erinnert er sich. Auf dem Weg zur Hochschule für bildende Künste und zurück mit der Straßenbahnlinie 2 kam er am Wasserturm vorbei: „Er funkelte mit seiner alten, märchenhaften Ausstrahlung im Abendlicht und fragte mich geradezu: Bin ich nicht deine Hauptfigur?“

Die Wasserwerke wollten den jungen Künstler nicht in den Turm lassen: „Deshalb bin ich sehr naiv darangegangen und habe alle Ansichten selbst ausgestaltet.“ Dass diese der Realität durchaus nahekamen, konnte er bei einer Einladung der späteren Eigentümer des Turmes feststellen. Hier hat er auch aus dem Buch vorgelesen: „Kinder sind viel mehr kleine Erwachsene, als ihre Eltern denken. Sie sind fasziniert vom Geheimnisvollen, nicht nur vom Heiteren“, weiß Stoye, der als Kind von moderner Kunst fasziniert war: „Ich habe verwundert auf die Bilder Dalís und anderer geguckt.

Originale im Museum

Später wurden Franz Radziwill und weitere Vertreter des magischen Realismus der 1920er-Jahre sein Vorbild und sein Wohnort Hamburg, wo er seit den frühen 70er-Jahren in Eppendorf lebt, eine wahre Fundgrube: „In Hamburg entstehen viele ungewöhnliche Dinge, viele Stellen haben etwas magisch Surreales. Auch der Isebekkanal!“. Zum 50. Buchgeburtstag zeigt das Altonaer Museum im Rahmen seiner Ausstellung „Von Walen und MeerJungsFrauen. Hamburg im Kinderbuch“ aktuell Originale aus dem Buch und Illustrationen von Stoye und anderen Künstler/-innen.

„Der Wal im Wasserturm“, Moritz Verlag, 13,80 Euro, ISBN 978 3 89565 1984, Ausstellung Kinderbuchhaus im Altonaer Museum, Museumstraße 23, www.kinderbuchhaus.de

Buch
„Der Wal im Wasserturm“ begeistert seit 50 Jahren Foto: Moritz Verlag

Auch interessant