20. Januar 2022
Hamburg

Leidenschaft Polarforschung

Stefanie Arndt verspürt keine Kälte – nur Faszination

Forscherin

Trotz dicker Vermummung hat sich Polarforscherin Stefanie Arndt schon Erfrierungen zugezogen Foto: Stefanie Arndt

HAMBURG Expeditionen ins ewige Eis. Hautnah an Pinguinen und Eisbären. Bald wird Stefanie Arndt wieder aufbrechen – Deutschlands bekannteste Meereis-Forscherin.

„Diesmal bin ich nicht mit der FS ,Polarstern‘ unterwegs“, sagt die promovierte Wissenschaftlerin, „sondern erstmalig auf der SA ,Agulhas II‘, einem südafrikanischen Eisbrecher. Wir starten Anfang Februar voraussichtlich für 1,5 Monate in die Antarktis.“ Zusammengezählt war sie über zwei Jahre mit dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts AWI, Bremerhaven, im Einsatz, darunter auch auf der Mosaic-Expedition in die Arktis. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin der AWI koordiniert sie das Meereis-Programm. An der Universität Hamburg hält sie einmal pro Woche Vorlesungen: „Die Studenten sind megainteressiert, da ich Informationen mit Fotos und Videos aus erster Hand liefern kann.“

2010 fuhr sie mit 22 Jahren als jüngste Wissenschaftlerin mit der „Polarstern“ in die Antarktis. Für ihre Forschungen nimmt die 33-Jährige viel in Kauf: „Das Privatleben lässt man komplett zurück. Wir wohnen auf dem 118 Meter langen Schiff zu zweit in einer Kammer. Fitnessraum, Sauna und Bar, bieten ein bisschen Abwechslung.“

Besonders auf der ersten Expedition wollte sie all die tollen Fotos und Videos mit ihren Lieben zu Hause teilen, konnte sie aber nicht versenden: „Das war schon hart.“ Mit der Kälte hat sie gelernt umzugehen, obwohl bei minus 42 Grad die Fingerspitzen erfroren und sie Frostbrand im Gesicht erlitt.

Feines Gespür für Eis und Schnee

Das „deutsche Fräulein Smilla“ hat nicht nur ein Gespür für Eis, sondern auch für Schnee: „Der Schnee erzählt mir seine Geschichte. Für die meisten ist er weiß. Aber er hat ganz verschiedene Weißtöne, da die Kristalle das Licht unterschiedlich reflektieren.“

Oft begegnet die Forscherin Polartieren. Robben und neugierigen Pinguinen in der Antarktis, Eisbären in der Arktis. „Wir lernen, wie weit man sich den Pinguinen nähern darf. Aber der neugierige Adelie-Pinguin weiß ja nicht, wie nah er an mich herandarf.“ Auch ein Eisbären-Schutztraining müssen die Wissenschaftler absolvieren: „Wir mussten aber noch nie einen erschießen.“

Trotz vieler Einschränkungen möchte sie ihren Beruf um nichts auf der Welt tauschen: „Wenn wir uns mit einem Hubschrauber zu Messungen auf einer Eisscholle absetzen lassen, unter dir 4000 Meter Wasser und rundherum nur Stille über dieser weiten, beeindruckenden Landschaft, dann verspürst du keine Kälte, sondern nur Faszination.“

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