25. Juni 2021
Hamburg

Lebendige Alster: von „schiffbar“ zu „fischbar“

20 Helfer schufteten unter glühender Sonne

Mert Ergün (51, Mitte), hier neben Andreas Lampe (links), hat seinen sechsjährigen Sohn Marten (rechts) „aus pädagogischen Gründen“ zum Arbeitseinsatz mitgebracht Fotos: tel

HAMBURG Wer macht schon gern schwere Gartenarbeit bei mehr als 30 Grad Wärme, teilweise noch unter gleißender Mittagssonne? So ähnlich lief der jüngste Arbeitseinsatz für die „Lebendige Alster“ am vergangenen Wochenende ab.

Und das Erstaunliche: Die rund 20 ehrenamtlichen Helfer im Alter zwischen sechs und 60 Jahren waren mit Feuereifer bei der Sache.
Grafikdesignerin Eva-Maria Petersen (55): „Ich bin seit rund fünf Jahren dabei. Wir haben auch schon bei strömendem Regen im Moor gearbeitet. Wir reparieren hier Dinge, die Menschen in der Natur kaputt gemacht haben.“ Sprachs und nahm ihre Schaufel wieder auf. Ein ganzer Hügel Kieselsteine und größeres Geröll wurden eigens an der Alsterkehre in Poppenbüttel angeliefert.

Helfer schippten die Steine in große Kunststoffbehälter und schoben diese dann über eine Metallrutsche das Ufer hinunter. Unten nahmen weitere in Anglerhosen steckende Ehrenamtliche die Behälter in Empfang und leerten sie im Wasser am Uferrand aus. Andreas Lampe vom Nabu: „Toll, dass trotz des Superwetters so viele Helfer gekommen sind. Aber vielleicht lag es auch an dem langen Lockdown, dass die Menschen wieder raus und aktiv arbeiten wollten.“

Das Aktionsbündnis „Lebendige Alster“ von Nabu, BUND und Aktion Fischotterschutz gibt es jetzt seit zehn Jahren. „In dieser Zeit haben wir mehr als 1000 Tonnen Kiesel, Geröll und Holz eingebracht, um natürliche Ufer, Ruhezonen und Laichbetten zur Vermehrung der Fischbestände anzulegen.“ Inzwischen hat sich der Zustand der Alster kontinuierlich verbessert – nicht nur dank der Aktion „Lebendige Alster“, sondern auch durch die zuständigen Behörden, die dabei sind, den Begradigungs- und Befestigungswahn früherer Zeiten auszugleichen.

„Die Alster wird bereits seit dem 16. Jahrhundert gestaut und schiffbar gemacht“, berichtete Lampe. Jetzt fehlen nur noch Fischtreppen an drei Schleusen in Hamburg, und die gesamte Alster wäre wieder „fischbar“ für Wanderfische wie Meerforelle, Aal und Lachs. Ein wenig Sorgen macht Lampe die starke Zunahme von Freizeitpaddlern und -kanuten: „Eigentlich stört man sich nicht gegenseitig. Wassersportler waren auch schon bei unseren Arbeitseinsätzen dabei.“

Allerdings sollten die Freizeitskipper nur an den zugelassenen Stellen ein- und aussteigen, um die Alsterufer, an denen auch der seltene Eisvogel nistet, nicht zu beschädigen, meinte Lampe. Insgesamt aber scheint die Alster einer natürlicheren und somit besseren Zukunft entgegenzufließen.

Toller Ausgleich zum Schreibtisch-Job: Grafikdesignerin Eva-Maria Petersen

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