8. Mai 2021
Hamburg

Laufen in Corona-Zeiten

BMS Laufgesellschaft setzt auf digitale Alternativen zu Massenevents

Laufen

Foto: thinkstock

HAMBURG Die Art der Laufveranstaltungen hat sich durch die Pandemie stark gewandelt. So setzt die BMS Laufgesellschaft vorwiegend auf digitale Veranstaltungen. Mit was für einem Spagat die Organisation aktuell verbunden ist, zeigte der Wilhelmsburger Insellauf, der mit einem Polizeieinsatz endete.

„Die Kommunikation ist unglücklich gelaufen“, sagt Steven Richter, Geschäftsführer der BMS Laufgesellschaft. Es zeigt aber, mit welcher Gratwanderung es aktuell verbunden ist, überhaupt etwas auf die Beine zu stellen.

„Wir planen flexibel“, berichtet Richter. Ob nur digitale oder auch Vor-Ort-Veranstaltungen möglich sind, wird meistens kurzfristig entschieden. Klar ist nur eins: Massenveranstaltungen mit dicht gedrängten Startfeldern sind derzeit unmöglich. Und werden nach Richters Auffassung auch nach der Pandemie nicht in früherem Maße zurückkehren. Schon allein aus praktischen Gründen. So sei es schwierig, alle Läufer an den Getränkestationen mit Wasser zu versorgen, wenn diese dort fast gleichzeitig ankommen, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb wird die Laufgesellschaft auch nach dem Ende der Pandemie an zeitversetzten Startfenstern festhalten.

Krise als Chance

Die Zahl der von BMS organisierten Laufevents wie dem „hella hamburg halbmarathon“ ist trotz Corona konstant geblieben und liegt bei etwa 25 Veranstaltungen pro Jahr. Allerdings sind wesentlich weniger Teilnehmer dabei. Wo früher 3000 Sportler am Start waren, dürfen es aktuell bestenfalls 1200 sein, damit das BMS-Hygienekonzept aufgeht und alle Corona-Bestimmungen eingehalten werden. Für ein Unternehmen, das sich vorrangig über Meldegebühren finanziert, bedeutet das einen großen Einschnitt. „Die Einnahmen sind um etwa 70 Prozent gesunken“, berichtet Richter. Die Kosten sind geringer geworden, weil bei digitalen Events kein Personal mehr vor Ort gebraucht wird.

„Jede Krise ist aber auch eine Chance“, sagt der Geschäftsführer. So hat sich das im vergangenen Jahr erstmals ausprobierte Format „Run The Ring“ – eine digitale Variante von Großveranstaltungen wie dem Marathon – als Erfolgsmodell entpuppt und wird deshalb in diesem Jahr wiederholt. Bei dem Format wird eine feste Strecke vorgegeben. Die Entscheidung, wann diese abgelaufen wird, trifft der Teilnehmer selbst. Es gibt insgesamt zehn Streckenabschnitte, die in ihrer Gänze Hamburgs Grünen Ring formen. Die etwa 100 Kilometer lange Route rund um die Elbmetropole ist auch als Freizeitradtour 11 bekannt. Bis zur Schließung des Ergebnisdienstes am 31. August können die Abschnitte beliebig oft absolviert werden.

Digitale Events werden in Zukunft aus Richters Sicht auch deshalb wichtiger, weil sie klimaschonend sind und trotz allem ein Gemeinschaftserlebnis bieten. Den meisten CO2-Ausstoß verursachen nämlich nicht die Läufe selbst, sondern die Anreise der Teilnehmer. Deshalb könnte sich die Höhe der Meldegebühren in Zukunft auch an der Art der Anreise orientieren. Ein Pilotprojekt der Laufgesellschaft könnte schon 2022 starten. „Gerade wir Läufer sollten in Sachen Nachhaltigkeit Vorreiter sein“, betont Richter.

Sobczak
Steven Richter ist Geschäftsführer­ der BMS Laufgesellschaft
Foto: Thomas Sobczak

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