12. Januar 2023
Hamburg

Kunst und Handwerk gehören zusammen

Peter Räcker „Einfach hinsehen und lernen“

Kunst

Fotomontage der im Tunnel einst entdeckten Miniaturen für die „Kunst, die in Hamburg wächst!“ Fotos: P. Räcker

HAMBURG Vor sieben Jahren stellte er seine Makro-Fotografien im Echtzeitstudio aus: „Kunst, die in Hamburg wächst! Metamorphosen oder neuzeitliche Höhlenbilder“. Jetzt vermisst Peter Räcker (81) im Tunnel unter der Lombardsbücke die Originale seiner naturwüchsigen Bilder.

Von 2019 bis Ende 2022 war der bequeme Weg zwischen Außen- und Binnenalster auf der Freizeitroute 1 für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Die denkmalgeschützten Lombardsbrücke wurde jahrelang saniert, zuletzt auch die Unterquerung. „Jetzt strahlen die gekachelten Tunnelwände grellweiß, leider wurden damit alle Kachelschäden beseitigt“, bedauert Räcker. Jetzt seien die Originale seiner naturwüchsigen Miniaturen – einfach weg.

Entdeckt hatte er sie durch Zufall, unterwegs per Rad von Alsterdorf zum Hafen, wo der Ex-Schiffsingenieur bei gutem Wetter bis heute sein Skizzenbuch mit Motiven für seine Aquarelle füllt. Bei einem Gewitter sucht er Zuflucht im Tunnel, entdeckt dort an den Wänden „seine“ Kunstwerke, oft nicht größer als ein Daumennagel: Farbkleckse, Moose, Schimmel und Pilze auf alten Kacheln oder in verwitternden Mauerrissen. „Kunst liegt eben im Auge des Betrachters“, betont Räcker.

Sich inspirieren lassen

Früher beruflich stark beansprucht, bieten ihm Kunst und Handwerk den Ausgleich. In die „Lehre“ geht er lange Zeit bei August Ohm, begleitet den Kunstmaler auch durch ganz Europa, studiert Malweisen und lernt, seinen Blick für Details zu schärfen.

Schon als Kind ist er oft im Atelier des Großvaters, der ihn für Marionetten begeistert. Nur logisch, dass sich Räcker auch fürs Puppentheater im Haus Flachsland engagiert. Die Puppen- und Figurenwerkstatt eröffnet er 2001. Dort basteln Kids und Erwachsene dienstags Handpuppen zum Spielen und Lernen nach seiner Anleitung. „Vor der Pandemie hatten wir 45.000 Teilnehmer“, so Räcker stolz.

Kunst und Handwerk könne er nicht wirklich trennen. Für beides will er Menschen begeistern. „Man muss nur immer wieder hinsehen und sich inspirieren lassen.“

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