12. Januar 2023
Hamburg

Keine Windkraft in Naturschutzgebieten

Nabu kritisiert Bürgermeister Peter Tschentscher

Adler

Schwanenvater Olaf Nieß rettete Seeadler Fiete 2021 nach einer Kollision mit einem Windrad. Das Tier starb nach Amputation seines gebrochenen Flügels Foto: Haas

HAMBURG Den schleppenden Ausbau der Windenergie moniere Bürgermeister Peter Tschentscher zu Recht. Doch für seine wiederholte Forderung, Windräder auch in Naturschutzgebieten aufzustellen, erntet er massive Kritik vom Nabu.

„Der Bürgermeister versteht das Ausmaß der Bedrohung nicht“, erklärt Malte Siegert. Bisher sei nicht geklärt, „ob weniger kritische Bereiche die Bringschuld Hamburgs abdecken“, so der Hamburger Nabu-Chef. Offenbar verstehe Tschentscher keineswegs den Kontext von Klimakrise und Artensterben. „Beide Krisen verstärken sich wechselseitig, sie müssen deshalb auch gleichzeitig gelöst werden“, so Siegert. Geschützte Arten dürften in rechtlich gesicherten Naturschutzgebieten nicht einer zusätzlichen Gefährdung ausgesetzt werden.

Der Nabu-Chef erinnert dabei auch an die Beschlüsse der Weltnaturschutzkonferenz gegen das dramatische Artensterben. „Wer wie der Bürgermeister die Klima- gegen die Biodiversitäts-Krise ausspielt, hat das wahre Ausmaß der Bedrohung noch immer nicht verstanden.“ Er solle lieber eine behördliche Prüfung von Eignungsflächen für Windräder veranlassen.

Zudem müssten alle erneuerbaren Quellen in Hamburg erschlossen werden: Etwa bei Photovoltaik auf Behördendächern sei Hamburg weiterhin deutsches Schlusslicht. „Statt also auf Naturschutzgebiete für Windenergieanlagen zu schielen, muss die Stadt ihren Blick über leere Dächer der städtischer Verwaltung schweifen lassen.“

Nach Schätzungen der deutschen Wildtierstiftung sterben pro Jahr 250.000 Fledermäuse und tausende Greifvögel durch Kollisionen mit Windrädern.

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