27. Mai 2020
Hamburg

Immer noch eine Sehenswürdigkeit

der Senator und seine Kunst: „Der Traum vom Süden“ im Jenisch Haus

Jenisch

Landsitz des Senators Jenisch (unbekannter Künstler) Fotos: SHMH

HAMBURG Unter dem Titel „Der Traum vom Süden“ präsentiert eine Ausstellung die Sammlung des Hamburger Senators Martin Johan Jenisch, der sich im gleichnamigen Park mit Blick auf die Elbe seine beeindruckende Sommervilla im klassizistischen Stil errichten ließ.

Der Bau (1831–1834) trägt die Handschrift der Architekten Franz Gustav Forsmann und Karl Friedrich Schinkel und ist eine Form von Gesamtkunstwerk. Denn auch die Innenausstattung wurde vom Bauherrn sorgsam kuratiert. Jenischs Gemäldesammlung war zu seinen Lebzeiten eine Hamburger Sehenswürdigkeit und wurde im Adressbuch von 1833 ausdrücklich als kleine Sensation empfohlen.

Die Ausstellung der Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) versammelt zahlreiche Glanzstücke der Sammlung des Senators (1793–1857), die dieser maßgeblich während zweier Italienreisen zusammengestellt hat. Unter den Gemälden in der thematisch kuratierten Schau finden sich Werke von namhaften Künstlern wie Johan Jacob Gensler, Anton Melbye, Franz Xaver Winterhalter, Franz Ludwig Catel sowie der Brüder Franz und Johannes Riepenhausen. Die Malerbrüder Riepenhausen und andere deutsche Maler besuchte Jenisch häufig in ihren Ateliers in Rom.

Atelierbesuche nicht nur in Rom

Er war fasziniert vom Künstlerleben der „Deutschrömer“, in dessen Mittelpunkt der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen stand. Seine Atelierbesuche in Rom und anderen Städten Italiens dokumentierte der sammelnde Senator in seinen Reisetagebüchern, aus denen Zitate und Kommentare in der Ausstellung erläutern, was den hanseatischen Kunstliebhaber zum Kauf des jeweiligen Bildes motivierte.

Bei ihrem Blick auf die Sammlung fokussiert sich die Ausstellung außer auf die Herkunft der Bilder und Objekte auf zwei Aspekte der hamburgischen Geschichte des 19. Jahrhunderts: Zum einen auf die Zeit der französischen Besatzung von 1806 bis 1814 unter Napoleon Bonaparte und zum anderen auf den Großen Brand im Jahr 1842. Anhand des Gemäldes „Napoleon vor Moskau“ von Albrecht Adam lässt sich beispielweise deutlich machen, dass für Jenisch beim Erwerb des Bildes eine persönliche Auseinandersetzung mit der Franzosenzeit in Hamburg eine Rolle spielte.

Beim Großen Brand war auch Jenischs damaliges Stadthaus in der Hamburger Innenstadt betroffen, aus dem ein Teil seiner Gemäldesammlung ins Jenisch Haus gerettet werden konnte. Als Präses der Baudeputation war der Senator nach dem Brand maßgeblich am Wiederaufbau der beschädigten Stadtviertel beteiligt und schenkte der zerstörten Hauptkirche St. Petri zur Wiederweihe einen Taufstein aus Alabaster, der dort noch heute zu sehen ist.

Jenisch Haus, Baron-Voght-Straße 50, bis 13. Januar 2021 Öffnungszeiten: Mo, Mi bis So 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 7/5 Euro freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren www.shmh.de/de/der-traum-vom-sueden

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