30. Juli 2022
Hamburg

„Gartenlust und Forschergeist“

Botanische Gärten haben 200 Jahre Tradition

Urform der Dahlie aus Mexiko: Wildbienen stärken sich gerne an ihrer ungefüllten Blüte Fotos: Haas

HAMBURG Zwei riesige Grünanlagen schreiben Stadtgeschichte: der Alte Botanische Garten am Dammtor seit 1821 und die 1979 entstandene Anlage in Klein Flottbeck, ab 2012 Loki-Schmidt-Garten, benannt nach ihrer Förderin. Die Jubiläumfeier entfiel wegen der Pandemie. Dafür erschien jetzt ein Buch.

Wer schreibt, der bleibt: Der reich bebilderte Band erzählt die Geschichte für Laien, Liebhaber und Kenner. Der Alte Botanische Garten am Dammtor, einst vor den Toren der Stadt gelegen, sei die zweitälteste Wissenschaftsinstitution nach der Staatsbibliothek in Hamburg, betonen die Herausgeber Barbara Engelschall, Hans-Helmut Poppendieck und Carsten Schirarend. Viele Experten, Ehrenamtliche und Gärtner unterstützten das Trio. Die Feier zum Buchstart an der Ohnhorststraße würdigte sie alle, auch die Uni Hamburg: Sie investierte die Summe fürs entfallene Jubiläum eben in die Buchproduktion. „Der Forschung, der Lehre, der Bildung“ diene die Uni, die Botanischen Gärten seien ihr Schaufenster, betonte Poppendieck.

Der Garten in Klein Flottbek zeigt globale Pflanzenvielfalt auf 24 Hektar aus Nord- und Südamerika, Japan und China, von Alpen, Mittelmeer oder Wüste. Im Bauern- und im Nutzpflanzengarten wachsen auch Arzneipflanzen. Ein alter Olivenbaum inmitten mediterraner Kräuter ziert den Bibelgarten. Der Duft- und Tastgarten bedenkt auch sehbehinderte und blinde Menschen. Wichtige Schwerpunkte sind Wissenschaft, Umweltbildung und Artenschutz. Hier blühen Urformen der Dahlie: „An ihrem Naturstandort in Mexiko sind sie ausgestorben“, sagt Barbara Engelschall.

Auch an die Tropenwelt am Dammtor erinnert das Buch. 2019 kamen noch 350.000 Besucher in die Schaugewächshäuser. Uni-Kurse und die Grüne Schule tagten hier, gut besucht waren Sonntagsführungen. Doch die Glashäuser an der Mittelmeerterrasse sind seit 2020 zugesperrt. Dr. Hans-Helmut Poppendieck fordert jetzt ihre zügige Sanierung: „Sie sollten bald wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen!“

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