14. Oktober 2021
Hamburg

Erinnerungen zum Greifen nah

Neuer Verein Sternenkind-Fotografie gegründet

Fotograf

Früher war Klaus Becker weltweit unterwegs, jetzt unterstützt er Eltern in der Trauerarbeit Foto: Grell

HAMBURG Wenn Klaus Becker den Kreißsaal betritt, ist das Leben eines Kindes beendet, bevor es überhaupt erst beginnen konnte. Der professionelle Fotograf, der über drei Jahrzehnte für die Bild am Sonntag überall auf der Welt Fotos machte, ist jetzt ehrenamtlich als Fotograf für Familien mit Sternenkindern unterwegs.

„Das sind hauptsächlich Kinder, die bereits tot geboren wurden oder während oder kurz nach der Geburt versterben“, erklärt der Profi an der Kamera. In dem Verein „Sternenkind-Fotografie“ organisiert, versucht Klaus Becker für Eltern in dieser schlimmen Phase ihres Lebens, eine bleibende Erinnerung zu bewahren, die eine wertvolle Unterstützung in der Trauerarbeit der Familie und eine emotionale Stütze gegen das Verblassen der Erinnerungen sein kann.

Einfach ist die Aufgabe auch für den langjährig erfahrenen Fotografen, der in unzähligen Krisengebieten arbeitete nicht: „Ich hab auch schon mal nach dem Termin mit den traurigen Eltern heulend im Auto gesessen“, erzählt Becker. Die Vernetzung der Fotografen in dem neugegründeten Verein macht die ehrenamtliche Arbeit für alle ein ganzes Stück leichter. Die Eltern können so jederzeit Kontakt aufnehmen und auch ganz kurzfristig an die Fotografen gelangen, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Die liebevollen Bilder, die manches Mal nur einen winzigen Fuß, eine Hand oder eine zärtliche Umarmung zeigen, sind dann so wertvoll für die trauernde Familie, dass „ich schon häufig nach dem Treffen im Krankenhaus noch ganz viel Dank von den Eltern zurück bekam“, erinnert der Fotograf, der so kleine Andenken erschaffen kann. Alarmieren können im Notfall nicht nur die Eltern und Angehörigen, auch Hebammen, Ärzte oder Pflegekräfte haben die Möglichkeit über ein professionelles Alarmsystem Tag und Nacht einen Fotografen oder eine Fotografin anzufordern, die die Familien dann mit der Kamera begleitet.

Für die Mitglieder ist die Gründung eine Herzenssache: „Wir sind für die Eltern da, wenn sie sich in einer absoluten Ausnahmesituation befinden, denn nichts ist schlimmer, als das eigene Kind zu verlieren“. Der junge Verein möchte mit seiner Arbeit dem sensiblen Thema der Sternenkinder zu mehr gesellschaftlicher Beachtung verschaffen und freut sich auch über weitere Unterstützer. „Ein Bild und die Erinnerungen sind das einzige was am Ende bleibt“.

SternenkindFotografie e.V. Notfallnummer: 608 506 05, kontakt@Sternenkind Fotografie.de, www.SternenkindFotografie.de, facebook/instagram: @SternenkindFotografie

Flyer
Der neugegründete Verein sucht auch noch weitere Fotografen, die sich gern engagieren wollen Foto: Grell

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