3. September 2022
Hamburg

Eine Spurensuche der ganz besonderen Art

Tag des offenen Denkmals mit einem prallen Programm für die Familien. 160 Veranstaltungen zum „Eintauchen“

An der Großtankstelle Brandshof aus dem Jahr 1953 findet am Wochenende ein Oldtimertreffen statt Foto: Brandshof

HAMBURG Das Motto des Tags des offenen Denkmals vom 9. bis 11. September lautet diesmal „KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz” und lädt ein, sich auf spannende Spurensuche zu begeben.

Rund 160 Veranstaltungen – darunter auch in Hammerbrook, Rothenburgsort und Horn – laden dazu ein, Hamburgs Denkmallandschaft zu erkunden. Vor Ort wird es Besichtigungen, Führungen und Rundgänge für Erwachsene und Kinder sowie Fahrten mit historischen Fahrzeugen geben. Ein breites Familienprogramm sowie ein buntes Kulturprogramm mit einer Denkmalnachtradtour, Konzerten, einem Landschaftstheater und vielem mehr runden die Veranstaltung ab. Aber auch von zu Hause können Denkmäler erkundet werden.

Hühnerposten 1: Das 1907 von Kaiser Wilhelm II. eingeweihte Backsteingebäude (1902-07) in neogotischem Stil diente bis 1997 als Bahnpostamt und verband Hamburg mit der Welt. Nun die Zen-tralbibliothek Hauptmieterin, die als öffentlicher Raum die Bürger der Stadt miteinander verbindet. Am Denkmaltag geht es auf Spurensuche in die bewegte Geschichte des Hauses und seine verschiedenen architektonischen Bauabschnitte.

Fr/Sa, 29./10. 9., 10–19 Uhr So, 11. 9., 13–18 Uhr, Führung:
Sa 10, 12, 14 Uhr, nur nach Anm. bis 6.9. unter service@
buecherhallen.de

Münzburg: Das Etagenhaus Münzburg wurde 1880-86 von J. H. M. Brekelbaum gegenüber der damaligen Münzprägeanstalt gebaut und diente der damals geplanten Stadterweiterung in Richtung Südosten, da zur Zeit des Zollanschlusses der Hammerbrook dicht bebaut wurde. In den Räumlichkeiten einer Schlachterei, die sich über drei Etagen erstreckte, befindet sich heute eine nicht-kommerzielle Produzentengalerie.

Sa, 10.9., 18–21 Uhr, So, 11.9., 11–16 Uhr, Repsoldstraße 45, Führung nach Bedarf

Kraftwerk Bille: Das Gebäude ist ein Zeugnis der Industrie- und Baugeschichte sowie der Entwicklung des Stadtteils Hammerbrook. Es wurde 1899-1901 als viertes Elektrizitätswerk in Hamburg errichtet. Als eines der wenigen Gebäude im Hamburger Osten überstand es den Zeiten Weltkrieg. Seit vielen Jahren vor allem kreativ (zwischen-) genutzt, planen Biwermau-Architekten derzeit die Sanierung des Ensembles.

Sa, 10.9., Führung 14 Uhr, nur nach Anm. bis 5.9. unter
info@kraftwerkbille.com, Bullerdeich 12-14

Großtankstelle Brandshof: Die Großtankstelle wurde im Jahr 1953 durch die beiden Architekten W. Mastiaux und U. Rummel errichtet. Veränderungen in der Straßenführung hatten dann 1983 die Schließung der „Tanke“ zur Folge. Das verkehrshistorische Kleinod wurde als Kfz-Werkstatt weiter genutzt. Nach umfangreichen denkmalgerechten Sanierungsarbeiten beherbergt das Tankstellengebäude nun eine auf Old- und Youngtimer spezialisierte GTÜ-Prüfstation.

Sa/So, 10./11.9., 9–21 Uhr, Billhorner Röhrendamm 4, Führung: Sa. und So., 12 Uhr, Sa/So ganztags Oldtimertreffen

Gedenkstätte Bullenhuser Damm: Die Gedenkstätte erinnert an 20 jüdische Kinder, die im Keller dieses Gebäudes am 20. April 1945 gemeinsam mit 28 Erwachsenen, die ebenfalls Häftlinge des KZ Neuengammes waren, ermordet wurden. Die Kinder waren zuvor zu medizinischen Experimenten im KZ Neuengamme missbraucht worden. Ein Rundgang durch die Gedenkstätte und in das im Wesentlichen sonst nicht öffentlich zugängliche Gebäude ist möglich

So, 11.9., 10–17 Uhr, Bullenhuser Damm 92, Führung: So 11 und 14 Uhr, nur nach Anm. unter www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/veranstaltungskalender

wasserforum: 1848 wurde die erste zentrale Wasserversorgung des europäischen Kontinents nach Plänen W. Lindleys eröffnet. Der historische Steigrohrturm (A. de Chateauneuf, 1848) wird derzeit saniert. Erst ab 1893 gab es für jeden zugänglich filtriertes Trinkwasser in Hamburg. Eine weitere Meisterleistung war die Schwemmkanalisation. Im historischen Pumpenhaus, in dem immer noch Pumpen arbeiten, ist das WasserForum mit einer Ausstellung zur Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung untergebracht. Die Ausstellungsführung geht auf Spurensuche nach der Geschichte der Anlage.

So, 11.9., Billhorner Deich 2, Führung 11 Uhr, nur nach Anm. bis 6.9. unter info@wasserkunst-hamburg.de

Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe: Die Filtrationsanlage Kaltehofe (Entwurf Oberingenieur A. Meyer) versorgte ab 1893 Hamburg mit sauberem Elbwasser. Seit 1964 erfolgt die Versorgung mit Grundwasser. Ab 1990 konnte das sich selbst überlassene Gelände, mit seinen wilhelminischen Schieberhäuschen an der Langsamfiltrationsanlage und der Villa von 1891/93 (ehem. Außenstelle des Hygien. Staatstinstitutes) nicht betreten werden.

Sa/So, 10./11.9., 10–18 Uhr, Kaltehofe Hauptdeich 6–7,
Führung: So. 13 Uhr, nur nach Anm. bis 7.9. unter info@wasserkunst-hamburg

Horn: Bis zur Gesetzesnovellierung 2013 hatte Horn drei Denkmäler. Dann kamen auf einen Schlag 73 neue Denkmäler hinzu. Mit dem eigenen Fahrrad kann man von Denkmal zu Denkmal radeln. Die Geschichtswerkstatt Horn stellt auf der acht Kilometer langen Tour (Dauer etwa drei Stunden) alle Denkmäler kurz mit historischen Bildern und Informationen vor.

So, 11.9., Fahrradtour „Von Denkmal zu Denkmal“, 14 Uhr (Start Jugendherberge, Rennbahnstraße 100), nur nach Anm. bis 8.9. unter info@geschichtswerkstatt-horn.de, T 659 014 44

Außerdem kann man im Bezirk Mitte unter anderem einen Rundgang durch die Speicherstadt machen und sich das Chilehaus, die Bundesbank, das Oberlandesgericht und die Laeiszhalle ansehen. Zudem fährt die historische S-Bahn aus der Baureihe 470/870 (1959-1970) zwischen Barmbek und Bergedorf im Pendelverkehr.

Das digitale Programm wird am 9. September um 11 Uhr unter www.denkmaltag-hamburg.de veröffentlicht

Bildervortrag
Die Geschichtswerkstatt Horn beteiligt sich nicht nur am kostenlosen Tag des offenen Denkmals, sondern lädt außerhalb des offiziellen Programms auch zu einem Bildervortrag über ausgewählte Horner Denkmäler ein. Damit haben alle, die am Sonntag nicht mehr mit dem Rad fahren können oder wollen, ebenfalls eine Möglichkeit, die historischen Bauten kennen zu lernen. (wb)
Sa, 10.9., 15 Uhr, Stadtteilhaus Horner Freiheit,
Am Gojenboom 46, Eintritt 5 Euro, Anmeldung unter
info@geschichtswerkstatt-horn.de, T 659 014 44

 

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