25. November 2021
Hamburg

Eine ausgezeichnete Audiotour

Preis für eine Stadtteilführung am Bullerdeich

Preis

Louisa Schwope und Andree Möller bei der Preisverleihung am 1. Oktober in Düren Foto: SRH

HAMBURG Am 1. Oktober wurde der renommierte „GAG-Preis für Indus-triekultur“ von der Georg-Agricola-Gesellschaft e.V. (GAG) an die Macher/ -innen der Audiotour „Von Kanälen, Krieg und Kraftwerken – die Bul-lerdeich-Tour“ verliehen. Die kostenlose, siebenteilige Audiotour vermittelt in rund 45 Minuten kulturhistorisches Wissen auf unterhaltsame Weise und bietet insbesondere in Corona-Zeiten eine Alternative zu geführten Stadt(teil)rundgängen.

Von der Bullerdeich-Brücke in Hammerbrook sind es nur ein paar Hundert Meter bis zur Ecke Anton-Rée-Weg. Doch dieses kleine Wegstück hat es in sich. Die Audiotour verrät, warum aus einer sumpfigen Landschaft ein lebendiges Arbeiterviertel und dann ein Industrie- und Gewerbegebiet wurde, was Pest und Cholera damit zu tun hatten und was an Industriekultur in den erhaltenen baulichen Strukturen steckt. In sieben Stationen stellen die Macher/-innen Luka Lenzin (Konzept, Audioproduktion und Stimme), Andree Möller und Louisa Schwope (Konzept, Recherche, Text und Stimme) folgende Themen und Orte vor:

♦‰ Erste Müllverbrennungs-anlage Festland-Europas von 1896
‰♦ Bodenschichten des ursprünglichen Marschlandes „Hammer Brook“, Eindeichung etc.
♦‰ Wasserwege und ihre Bedeutung für die umliegende Industrie und Anwohnende
♦‰ Ehemalige Desinfectionsanstalt von 1893
♦‰ Kraftwerk Bille, vierte Hamburger „Centrale“ von 1901
♦‰ Stadtreinigung Hamburg – Zukunftsvisionen und moderne innovative Industriezweige

Dass sich auf diesem kurzen Wegstück so viele industriekulturelle und historisch bedeutsame Bauwerke und immerhin ein Denkmal (Kraftwerk Bille, Unterschutzstellung 2011) verbergen, ist selbst vielen Menschen vor Ort kaum bekannt.

Die Tour wurde seit ihrer Veröffentlichung im Juni 2020 mehr als 4000-mal angehört, davon knapp 3000-mal komplett von Anfang bis zum Ende. Um so viele Menschen in Präsenzveranstaltungen durch das Gebiet zu führen, hätten die Autor/-innen jeden zweiten Tag eine solche Führung für eine Kleingruppe anbieten müssen. Produziert wurde die Tour ehrenamtlich innerhalb weniger Wochen mit einem Budget von nur 300 Euro. Louisa Schwope, Andree Möller und Luka Lenzin hoffen, dass sich neue Perspektiven eröffnen können auf das, was mal sein könnte sowie ein neuer Blick für das industriekulturelle Erbe am Bullerdeich.

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