30. September 2021
Hamburg

Ein kleines Projekt mit großer Wirkung

Statdgemüse Gartenarbeit ist gut für die Seele

Beet

Für Roya aus Afghanistan – hier mit Soya (11 Monate) und Dunya (3) – bedeutet das Gärtnern mit Projektleiterin Claudia Hasseldiek Ablenkung von den Sorgen Foto: Gehm

HAMBURG Vor ein paar Tagen erhielt das Projekt „Stadtgemüse“ der Stiftung „Was tun!“ den Annemarie-Dose-Gruppenpreis. Ins Leben gerufen von der Eppendorferin Anuschka Lichtenhahn-Pense und ihrem Team. Lokaltermin im sozialökologischen Gemüsegarten der Flüchtlingsunterkunft im Waldweg in Volksdorf.

Wenn Roya (32) mit ihren beiden Töchtern Soya (11 Monate) und Dunya (3) die Tomaten gießt, rückt ihr großer Kummer für zwei, drei Stunden in den Hintergrund. Die Angst um ihre neunjährige Tochter, die bei den Großeltern in Afghanistan bleiben musste. Seit sechs Jahren wohnt Roya nun schon mit den kleineren Kindern in der Unterkunft, ihr Mann ist gestorben, eine Wohnung nicht in Sicht.

Auch Jafari (13) freut sich jedes Mal auf Montagabend, wenn sich die Projektleiterin Claudia Hasseldiek seit Januar 2020 gemeinsam mit ihnen in dem rund 150 Quadratmeter großen Garten um Kürbisse, Kartoffeln, Tomaten, Sellerie, Chili, Erdbeeren, den Bienen- und Schmetterlingsgarten, um essbare Blumen sowie um Minze für den Tee der Marokkanerin Meryem kümmert.

„Der Abend bringt uns ein bisschen Abwechslung“, sagt der junge Afghane, der gerade mit Claudias Mann Thorsten, mit Ansu (8) aus Ghana und dem slowakischen Roma Markus (10) einen Holzzaun rund um den Gemüsezaun anbringt. „Ich kann Jafari jederzeit mein Werkzeug anvertrauen“, sagt Thorsten, „er macht das richtig gut.“

Viele kennen sich aus

Obwohl Claudia studierte Biologin ist, kann sie selbst noch dazulernen: „Viele kommen aus der Landwirtschaft und kennen sich besser aus als ich.“ Für die Bewohner bedeuten die kostbaren Stunden auch ein Stück Normalität. Der abendliche Schwatz, der Austausch, das gemeinsame Gärtnern. „Gelegenheit auch, um bei den verschiedenen Nationalitäten Verständnis füreinander zu entwickeln“, sagt Claudia. Ich wünsche mir nur, dass auch Nachbarn mal mitmachen.“ Den Anstoß für das Projekt „Stadtgemüse“ gab Anuschka Lichtenhahn-Pense.

„Die ersten Hochbeete wurden 2018 im Baakenhafen angelegt. Inzwischen mussten sie der weiteren Bebauung der HafenCity weichen. 2017 wurde die Stiftung „Was tun!“ von fünf befreundeten Paaren gegründet. Bald wollten wir die Idee in die ganze Stadt tragen und starteten deshalb einen Wettbewerb. So konnten wir 33 Hochbeete an Teams verschenken.“ Inzwischen sind 19 neue Standorte von „Stadtgemüse“ in Hamburger Nachbarschaften entstanden. Und es
geht weiter. Unterstützen kann die Idee jeder – entweder durch Spenden oder durch eine Beetpatenschaft für 150 Euro.

„So ist aus einem kleinen Projekt mit ein paar Hochbeeten eine ganze Bewegung geworden.“

Spendenkonto Stiftung Was tun! IBAN: DE 13200505501002272571

Preis
Anuschka Lichtenhahn-Pense freut sich im Abaton Kino über den Annemarie-Dose-Gruppenpreis 2021 Foto: Gehm

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