23. Juli 2022
Hamburg

Ein „Fairteiler“ auf Gut Karlshöhe

Gemeinsam gegen Lebensmittel-Verschwendung

Gemeinsam gegen Lebensmittel-Verschwendung (v. l.): Katja Gayk-Görne (foodsharing), Anna Gallina und Andje Stamer (Klimaschutz-Stiftung) graben für das Fundament eines „Fairteilers“ Foto: tel

HAMBURG Angesichts des Ukraine-Krieges und der weltweiten Hungerkrise könnte das Thema kaum aktueller sein: Auf Gut Karlshöhe startete Anna Gallina, Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz, eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung.

Ungeachtet von Hamburger Tafel und vielen ähnlichen Initiativen, ist Lebensmittelverschwendung in Deutschland stark verbreitet: „Geschätzt werden hier jährlich zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet. Im Schnitt wirft jeder Deutsche jährlich 75 Kilogramm Lebensmittel weg“, berichtete die Senatorin.

Woran liegt das? Vernichtet werden beispielsweise Lebensmittel, die „nicht perfekt“ sind – bestes Beispiel ist der zu kleine Apfel, der den EU-Vorgaben nicht entspricht.
In der Gastronomie werden zu große Portionen ausgeschenkt. Oder Speisen werden durch falsche Lagerung unbrauchbar. Hier setzt die neue Initiative „Aufgefangen“ an: Sie soll Unternehmen, Vereine und Initiativen zusammenbringen, die gegen die Verschwendung kämpfen, bislang aber nicht miteinander vernetzt sind. Außerdem soll die Vermittlung von Lebensmittelspenden gefördert werden.

Denn: Laut Gallina arbeiten schon vielen Menschen und Institutionen gegen die Lebensmittelverschwendung, wissen aber oft nicht voneinander. Die zuständige Behörde will hier eine koordinierende Funktion übernehmen, außerdem in Sachen Aufklärung aktiv werden.
Bekannte Unternehmen haben sich bereits bei „Aufgefangen“ gegen Verschwendung verpflichtet, darunter die Supermarkt-Ketten Edeka und Rewe, aber auch beispielsweise die Hamburger Fleischerinnung, der HSV und TUI Cruises mit seinen Kreuzfahrtschiffen. Die Klimaschutz-Stiftung, die das Gut Karlshöhe betreibt, ist auch mit dabei.

Tolle Idee

Die Initiative „foodsharing“, die auch bei der Aktion „Aufgefangen“ mitmacht, stellt auf dem Parkplatz von Gut Karlshöhe (Bramfeld, Karlshöhe 60 D) einen „Fairteiler“ in Hamburg auf. Hier sollen auf faire Art überschüssige Lebensmittel weiter gegeben werden. Der Fairteiler ist ein größerer Schrank mit zahlreichen Fächern sowie eingebauten Kühlschränken. Dort kann man überzählige Lebensmittel deponieren und kostenlos weitergeben. „Zum Beispiel von Leuten, die in den Urlaub fahren möchten, aber zuhause noch einen vollen Kühlschrank haben“, erklärt “foodsharing“-Botschafterin Katja Gayk-Görne. Befüllt werden können die Fairteiler beispielsweise mit Milch Wurst und Käse – in ungeöffneten Gebinden, aber auch Obst und Gemüse. Über die Fairteiler nicht weiter gegeben werden dürfen leicht verderbliche Lebensmittel in angebrochenen Packungen oder beispielsweise Sushi. Rund ein Dutzend Fairteiler gibt es derzeit im Großraum Hamburg (Infos unter foodsharing.de). Gegründet wurde der Trägerverein bereits im Jahr 2012. Inzwischen ist er in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Mit dem Bekanntwerden des Systems hofft Gayk-Görne, baldmöglichst mindestens einen Fairteiler in jedem Stadtteil aufstellen zu können.

Überschüssige Lebensmittel gehören in den „Fairteiler“ Foto:wb

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