7. Oktober 2021
Hamburg

Durch Gespräche „Licht am Horizont“

Müttertelefon Zuhören. Auswege suchen.

Margit Rehmund-Hess im Büro des Vereins Müttertelefon. 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen beraten hier anonyme Anruferinnen Foto: Dagmar Gehm

Margit Rehmund-Hess im Büro des Vereins Müttertelefon. 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen beraten hier anonyme Anruferinnen Foto: Dagmar Gehm

HAMBURG Der Verein Müttertelefon wurde kürzlich mit dem Annemarie Dose Preis 2021 ausgezeichnet. Die Probleme der Anruferinnen sind vielfältig.

Sie fühle sich total überfordert, klagt die junge Frau am anderen Ende der Leitung. Homeoffice, Homeschooling und den Haushalt schmeißen. Alles müsse sie allein leisten. „Einer von vielen Fällen in der Pandemie“, berichtet Margit Rehmund-Hess.

Ein kleiner Büroraum mit Dachschräge im Volksdorfer Rockenhof. Am Telefon hören geschulte Mitarbeiterinnen aufmerksam zu. Müttern, die sich darum sorgen, wie sie Job, Erziehung und Haushalt unter einen Hut bekommen. Verzweifelten Frauen, die um das Sorgerecht kämpfen. Jungen Müttern mit postnataler Depression. Großmüttern, die sich von ihren Kindern und somit auch von den Enkeln ausgegrenzt fühlen.

Die erfahrene Beraterin, die hauptberuflich als Coach für Unternehmen und soziale Einrichtungen arbeitet, ist selbst Mutter eines erwachsenen Sohns. „Wir haben nicht für alle ein Patentrezept auf Lager. Auch dürfen wir keine Anwälte empfehlen. Unser Motto lautet: zuhören, Mut machen und gemeinsam Wege suchen. Wenn es zum Beispiel um Gewalt gegen Frauen geht, ist ihnen manchmal gar nicht so klar, wie drastisch ihre Situation ist. Wenn sie eine neutrale Sichtweise hören, merken sie, dass sie jetzt wirklich handeln müssen.“

40 Ehrenamtlerinnen

Im September 2019 wurde der gemeinnützige Verein Müttertelefon mit dem Kooperationspartner Diakonie + Bildung des Ev.-Luth. Kirchenkreises Hamburg-Ost, von acht Frauen gegründet. Mit der Beratung begannen sie am 1. Januar 2020. Finanziert wird das Projekt durch Spenden. 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sind insgesamt im Einsatz. Unter der Telefonnummer 0800-3332111 kann anonym und kostenfrei angerufen werden – täglich von 20 bis 22 Uhr, sieben Tage in der Woche.

„Meistens suchen die Anruferinnen Bestätigung darin, was sie sich ohnehin schon überlegt haben. Oft raten wir zu Selbsthilfegruppen, nennen Anlaufstellen.“ In laufenden Fortbildungen und Supervisionen wird Empathiefähigkeit geschult.

Guter Rat

Der überforderten Mutter mit Homeoffice und Homeschooling hat die erfahrene Beraterin schließlich empfohlen, sich mal eine kleine Auszeit zu gönnen, die Kinder dann an jemanden abzugeben. „Schon in ein, zwei Stunden kann man Atem schöpfen. Das ist in den Köpfen überhaupt nicht mehr drin. Wie ein Motor sind sie, der immer höher dreht, bis sie schließlich total erschöpft sind. Nach einem Gespräch mit uns sehen sie wieder Licht am Horizont.“

Spendenkonto Müttertelefon e.V., IBAN DE 55430609671041767800

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