5. Mai 2022
Hamburg

Denk’ mal positiv: „Stadt neu!“

Neue Nutzung statt Abriss. Wenn aus der Tankstelle ein Blumenladen wird

Das Kleinod am Grindelberg war die Kulisse zur Buch-Präsentation: Früher Tankstelle, jetzt Blumenladen Foto: Haas

HAMBURG Statt Abriss und Neubau die Bauten bewahren und neu nutzen: Das ist Stadtentwicklung von heute. Gelungene Beispiele zeigt die Publikation des Denkmalvereins Hamburg „Stadt neu!“, kürzlich erschienen.

Bereits während ihres Studiums sprach ein Professor vom neuen Trend: „Bauen im Bestand“, sagt Christina Sassenscheidt vom Denkmalverein. Dafür spricht nicht nur der Denkmalschutz, der Klimawandel gebietet es: Rund 220 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle machen heute über die Hälfte des deutschen Abfalls aus.

Das neue Buch zeigt positive Beispiele. So können Kunden in der Ex-Tankstelle am Grindelberg im Blumenladen „Prana Station“ die Seele auftanken, weil die Saga das Kleinod sanieren ließ. Indessen sind in Zellen der Arrestanstalt heute Büros für Juristen im Amtsgericht Wandsbek. Im Bürohaus am Kapstadtring 1, dem ersten Bau der City Nord 1966, wohnen jetzt Kunden in „my4walls“-Apartments. Auch das neue Wohnquartier Ochsenzoll in Altbauten des Krankenhauses weiß „Stadt neu!“ zu würdigen. Ebenso den Ex-Kaufhausspeicher in Harburg, voll im Trend als Event-Location. Zudem sind Sanierung und Erweiterung der Niendorfer Kirche St. Ansgar beispielgebend.

Graue Energie

„Keines dieser acht Projekte ist älter als zehn Jahre. Nicht alle stehen unter Denkmalschutz, doch Denkmäler sind sie trotzdem“, sinniert Christina Sassenscheidt. Die Devise müsse heute heißen: „Denk’ mal mal nach vor dem Abriss!“, ergänzt Claas Geffroi, Verfasser des Buchtexts. Denn in Altbauten stecke wertvolle graue Energie. Das sei dann doch eher „goldene“ Energie, meint Sabine Niemann vom Dölling und Galitz Verlag.
„Stadt neu!“ wurde von Niemanns maßgeblich unterstützt, betont Christina Sassenscheidt. „Für mich war die Publikation eben ein Herzensprojekt“, sagt Sabine Niemann. Die Ziffer 1 auf dem Titel bedeute: Weitere Bände könnten folgen.

Info: www.denkmalverein.de

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