5. Juni 2021
Hamburg

Den Pollern eine Mütze aufsetzen

Aktion zum Tag der Sehbehinderung

Sehen

Mit einer Aktion hat Hela Wäsche-Schilling (Mitte?)zusammen mit ihren beiden Schwestern Maren und Petra auf die Situation der Menschen mit Sehbehinderungen aufmerksam gemacht Fotos: Grell

HAMBURG Poller versperren überall in der Stadt die Gehwege für den Autoverkehr. Das ist zwar eine gute Lösung, um Pkw-Fahrer vom chaotischen Parkverhalten abzubringen, für Menschen mit Sehbehinderungen und Blinde werden diese Metallpfähle aber schnell zur Stolperfalle, weil sie „einfach nicht gut sichtbar sind“, bedauert Hela Wäsche-Schilling, die Vorsitzende vom Verein „Pro Retina“, der sich in Hamburg um die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen ihrer Seefähigkeit kümmert.

Gefahren gibt es, laut des Vereins, in der Stadt viel zu viele, denn gerade wenn es schummrig wird oder der weg uneben ist, haben Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit Probleme Hindernisse zu erkennen und diesen auszuweichen. Die unsichtbaren Gefahren lauern dabei nicht nur auf Gehwegen und in Fußgängerzonen, sondern überall dort, wo der barrierefreie Weg durch Hindernisse unterbrochen ist.

Zum Tag der Sehbehinderung machte der Verein deshalb mit einer besonderen Aktion auf seine Forderungen zur besseren Markierung von Pollern aufmerksam. „Wir haben gelb-schwarze Mützen gestrickt und den Metallpollern übergestülpt, als Beispiel dafür, wie wir es uns vorstellen würden“, erklärt Hela Wäsche-Schilling. Es brauche lediglich einen Helligkeitskontrast, um die Gefahr zu reduzieren, so die engagierte Leiterin der Regionalgruppe.

Um diese relativ einfache und wenig kostspielige Lösung zu veranschaulichen, hat die Gruppe in Groß Borstel gleich eine ganze Reihe von Pollern mit den Mützen markiert. „Schon durch das leuchtende Gelb können wir die Hindernisse viel besser erkennen“, sagen die Betroffenen.

Der Verein möchte bewirken, dass überall in der Stadt nachgebessert wird und die Hindernisse, die andere Passanten ohne Probleme entdecken und umlaufen können, aus Rücksicht auf die Menschen mit Einschränkungen ihrer Sehfähigkeit markiert werden.

Es sei aufgrund der Hindernisse schon zu verschiedenen Unfällen gekommen, bedauern die Mitglieder des Vereins und „das muss absolut nicht sein, denn mit etwas Farbe könnten die Poller und Bodenkeile, die Falschparker verscheuchen sollen, für uns gut gekennzeichnet werden.“ Die Gruppe ist zuversichtlich und hofft, mit ihrer Aktion ein Umdenken bewirken zu können.

Verein Pro Retina, Kontakt: rg-hhQpro-retina.de

Strick
Die Metallpoller sind kaum vom Gehweg farblich zu unterscheiden und werden schnell zu Stolperfallen

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