21. Januar 2023
Hamburg

„Das ist reine Altersdiskriminierung“

Neue Diskussion um regelmäßige Tests der Fahrtüchtigkeit von Senioren entbrannt

Fahren

Sollen Fahrtests für Seniorinnen und Senioren durchgeführt werden? Foto: AOK

HAMBURG Bereits 26 Mal sind an der Waitzstraße in Groß Flottbek Autos in Schaufenster von Läden und Cafés gefahren. Meist saßen Seniorinnen und Senioren am Steuer. Erneut wird darüber diskutiert, die Fahrtüchtigkeit älterer Menschen regelmäßig zu überprüfen.

„Manche Forderung nach verpflichtenden Tests überschreiten für mich die Grenze zur Altersdiskriminierung“, sagte dazu jetzt die Grüne Bürgerschaftsabgeordnete Christa Möller-Metzger aus Rahlstedt. Die Annahme, dass Menschen ab 70 Jahren langsam aber sicher zum allgemeinen Verkehrsrisiko werden, treffe laut Statistik nicht zu, so die seniorenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion: „Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gibt die Empfehlung, die Individualität im Alter anzuerkennen, anstatt sie als eine Gruppe wahrzunehmen.“ Ältere Menschen hätten eben auch viel Fahrpraxis und Routine. Ein erhöhtes Unfallrisiko ergebe sich erst, wenn krankheitsbedingt die Leistungsfähigkeit nachlasse, so Möller-Metzger.

Ihr Tipp: Die Polizei Hamburg hat mit zwei Seniorenbeauftragten eine vertrauensbildende Stelle geschaffen, die ältere Menschen zu allen Themen der Verkehrssicherheit berät. An die können sich auch Angehörige wenden.

Außerdem bieten Fahrschulen einen Check der Fahrtauglichkeit an. „Das geschieht meist durch eine begleitete Fahrt. Dabei geben die Profis eine qualifizierte Rückmeldung über Auffälligkeiten“, so die Rahlstedter Abgeordnete. Besonders wichtige Ansprechpersonen seien auch Hausärztinnen und Hausärzte: „Sie genießen das Vertrauen der Menschen, sind fachkundig und unterliegen der Schweigepflicht.“

Christa Möller-Metzger möchte erreichen, dass solche Beratungen durch Profis gestärkt und die Angebote bekannter gemacht werden: „Menschen sind bis in hohe Alter entscheidungsfähig.“ Zudem müssten Alternativen zum Autofahren dringend verbessert werden.

Christa
Christa Möller-Metzger ist gegen verpflichtende Fahrtests für Seniorinnen und Senioren Foto: Grüne

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