7. Oktober 2020
Hamburg

Brennglas auf die Gesellschaft

125 Jahre Bahnhofsmission Hamburg. Offenes Ohr, Trost, praktische Hilfe

Bahnhof

Wegen Sanierungsarbeiten ist die Bahnhofsmission bis 2021 in Containern untergebracht Fotos: Axel Mangat

ST. GEORG Auch gesellschaftliche Probleme kommen am Bahnhof an –und das meist früher als im Rest der Stadt. Bahnhöfe sind Brenngläser einer sich ständig verändernden Gesellschaft. In den 125 Jahren ihres Bestehens hat die Bahnhofsmission Hamburg viele dieser Veränderungen begleitet.

Schon im 19. Jahrhundert war Hamburg ein gefährliches Pflaster, vor allem für naive junge Mädchen vom Land, die in der Stadt nach einer Arbeit suchten. Oft fielen sie auf falsche Versprechungen herein und landeten nicht in einer Fabrik, sondern in den Bordellen der Stadt. Um dies zu verhindern, halfen ihnen engagierte Hamburgerinnen mit Unterkünften und Arbeit. Sie gründeten eine deutsche Untergruppe des „Internationalen Vereins Freundinnen junger Mädchen“ und taten sich mit der Inneren Mission/Hamburger Stadtmission zusammen, um am 1. Oktober 1895 die Bahnhofsmission Hamburg zu gründen. Ab 1906 wirkten evangelische, katholische und jüdische Hilfen ehrenamtlich zusammen, bis die Nationalsozialisten 1939 die Bahnhofsmissionen in ganz Deutschland schlossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Missionen sofort wieder neu organisiert, denn die Not war groß. Wohnungslose, Vertriebene, Flüchtlinge und Heimkehrer fanden hier Trost und Hilfe. Bis zum Mauerbau 1961 suchten auch die sogenannten Ostzonen-Flüchtlinge am Bahnhof erste Unterstützung – genau wie später die wachsende Zahl von Gastarbeitern, Aussiedlern und Asylsuchenden.

Auftrag der Bahnhofsmission ist die Begleitung von Reisenden. Sie bietet Einsteige- und Umsteigehilfen für Rollstuhlfahrer oder Familien, Begleitung von allein reisenden Kindern, aber auch Erste Hilfe bei kleinen Notfällen. Vor allem aber vermittelt sie bedürftige Menschen in die Hilfsangebote der Stadt.

Für Menschen in Not

Die Bahnhofsmission ist heute vor allem für die Menschen oft die letzte Anlaufstelle, die keine andere Hilfe finden. Drei Viertel der Besucher leben in Armut, sie erfahren Ausgrenzung und Benachteiligung, hat eine Studie mit 2000 Besuchern ergeben. Viele von ihnen kommen regelmäßig, denn hier haben die Ehrenamtlichen in den markanten blauen Uniformen immer ein offenes Ohr, Trost und praktische Hilfe parat, ganz im Sinne christlicher Nächstenliebe – und das jeden Tag.

Spenden sind herzlich willkommen: Bahnhofsmission Hamburg, IBAN: DE1952 0604 1000 0641 8929, BIC: GENODEF1EK1

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