5. August 2020
Hamburg

Auf ins norddeutsche Baumland

Autoren-Duo verfasste ein spannendes Buch

Landschaft

Einfach innehalten, hinschauen und lauschen: Bäume haben viel zu erzählen, auch mitten in Hamburg Fotos: Haas

HAMBURG Hans-Helmut Poppendieck und Helmut Schreier waren wieder unterwegs zu ihren Favoriten. Ihr neues Buch „Baumland – Was Bäume erzählen“ ist eine Liebeserklärung: Auf 376 Seiten ergründen sie den „Eigensinn“ der Bäume.

„Wir gehen eher erzählend als wissenschaftlich vor“, erklären die Autoren zu ihrer Naturbetrachtung. „Ohne meine Reisen in die Urwälder von Brasilien, Kamerun oder Neuseeland hätte ich wohl nicht über einheimische Bäume geschrieben“, sagt Dr. Poppendieck, Vorsitzender des Botanischen Vereins zu Hamburg. Über 40 Jahre war er Kustos im Botanischen Garten und lehrte Botanik an der Uni Hamburg. Urwälder schärften seinen Blick für heimische Bäume:

„Mich fasziniert, wie raffiniert sie in einer von Menschen geformten Landschaft überleben.“ Und das über Jahrhunderte: So die uralte Eibe am Neuländer Deich, Kratteichen oder Lindenhaine und -alleen. Viele Giganten überleben knorrig, vernarbt, oft gebeugt. Sie gedeihen ohne menschliches Zutun: Das zeigen die nur 50 Jahre jungen Urwälder von Loki Schmidt am Brahmsee oder der Vollhöfner Wald an der Elbe, der nach Protesten doch nicht abgeholzt wird.

Seine Bewunderung für Bäume nehme im Alter noch zu, lächelt Helmut Schreier. Lange Jahre war der Professor in der Umweltbildung an der Uni Hamburg tätig. „Auf Reisen begegnete ich Leuten und Bäumen, beide faszinierten mich auf ihre Art.“ Begeistert beschreibt Schreier den Wacholder in der Heide, „halb Strauch, halb Baum“, wie der Holunder. Der Prof würdigt auch Exoten wie die Sumpfzypressen in Hamburg. Humorvoll kritisiert der Prof dabei die Verteufelung von „Neophyten“: Tomaten, Kartoffeln, Mais oder Bohnen waren doch auch mal „Neusiedler“ aus Amerika.

„Baumland“ ist unterhaltsam, schärft den Blick und lädt ein zu Erkundungen: Über 100 norddeutsche Standorte zeigt die Karte im Buch

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