27. März 2021
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Gründerzeithaus mit ungewisser Zukunft

Die Villa aus dem Jahr 1892 steht seit Jahren leer Foto: mf

Die Villa aus dem Jahr 1892 steht seit Jahren leer Foto: mf

LOKSTEDT Seit 2015 steht die historische, denkmalgeschützte Villa in der Niendorfer Straße 70 weitgehend leer. Nachdem ein besorgter Nachbar an die Öffentlichkeit gegangen ist, haben auch die Bezirkspolitiker/-innen die Zukunft des Gebäudes auf der Agenda. Anwohner Thomas Kraske befürchtet, dass die Villa als Spekulationsobjekt verfallen gelassen wird, sodass auf dem großflächigen Grundstück Neubauten entstehen könnten.

Diese sind tatsächlich in einem Mix vom derzeitigen Eigentümer geplant: Die Villa soll erhalten und auf fünf von derzeit zwei Wohneinheiten erweitert werden, außerdem ist auf dem rückwärtigen Grundstück ein Neubau geplant. Der Antrag auf Änderung der Wohneinheiten wurde kürzlich bis zum 21. Februar 2022 verlängert, wie eine schriftliche Kleine An-frage der CDU-Wahlkreisabgeordneten Silke Seif ergab. Die 2017 erteilte denkmalgerechte Genehmigung für die Instandsetzung und den Umbau des Baudenkmals ist im Dezember 2020 abgelaufen, eine Verlängerung wurde bisher nicht beantragt. Ein Exposé mit Umbau- und Neubauplänen wird im Internet als Investitionsprojekt präsentiert.

Nach Auskunft des Senats hatte die zuständige Baubehörde im Bezirksamt hiervon keine Kenntnis. Rechtlich bestehe keine Handhabe, dass eine erteilte Baugenehmigung auch vollzogen werde. Bei einer Verwahrlosung könnten aber bauordnungsrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden. Das Denkmalschutzamt kann den Eigentümer zu Maßnahmen für die Erhaltung verpflichten. Alle vier Wochen würde das Denkmalschutzamt laut Senat die Villa von außen begutachten. Äußerlich seien keine substanzgefährdenden Schäden erkennbar. Wie aber sieht es im Inneren der Villa aus?
Nachbar Thomas Kraske stellte vor einigen Jahren dort Hausschwamm und Hausbock fest. Den Zutritt müsste jedoch der Eigentümer ermöglichen. Dieser ließ Schreiben des Denkmalschutzamtes vom November und Dezember 2020 aber unbeantwortet, nun wurde ihm eine Frist gesetzt.

Abriss-Gefahr?

„Eine Aufgabe von Baudenkmälern aufgrund einer Unzumutbarkeit ihres Erhalts bildet die absolute Ausnahme“, erklärt Marianne Kurzer vom Denkmalschutzamt auf Nachfrage.

Gesicherte Zahlen gäbe es dazu aber nicht. Kurzer: „Abrisse von Gebäuden werden durch das Denkmalschutzamt nicht statistisch erfasst. Es gibt einen internen Überblick, welche Denkmäler aus der Denkmalliste gelöscht wurden. Eine Löschung kann jedoch verschiedene Gründe haben und ist nicht immer darauf zurückzuführen, dass das Gebäude abgerissen wurde. Auch ein Brand, der das Gebäude zerstört hat oder eine schlechte Bausubstanz, die einen Erhalt unmöglich macht, können Anlass zur Löschung aus der Denkmalliste sein.“ mf

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