19. August 2021
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„Gendern ist der falsche Weg“

Farbe bekennen: Christoph Ploß (CDU) zu Fragen der Sozialpolitik

CDU

Bildungs- und Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache, Chancengleichheit und die Sicherheit der Rente sind sozialpolitische Problemfelder Fotos: GettyImages

HAMBURG Im Rahmen der Serie zur Bundestagswahl heißt es für die Hamburger Spitzenkandidaten „Farbe bekennen“. Je fünf Fragen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen hat die Redaktion gestellt. Heute Christoph Ploß zur Sozialpolitik.   Teil 2

Wochenblatt: Das Rentensystem kollabiert. Jetzt ist schon die Rente mit 68 im Gespräch. Muss Deutschland umsteuern und wenn ja, wie?

Christoph Ploß: Die beste Rentenpolitik ist eine gute Wirtschaftspolitik. In den vergangenen zehn Jahren konnten wir so stetig für Rentensteigerungen sorgen. Bis 2030 wird das Renteneintrittsalter in kleinen Schritten auf 67 Jahre ansteigen, da zum Glück auch die Lebenserwartung immer weiter steigt. Zusätzlich müssen wir private und betriebliche Altersvorsorge stärker fördern.

WB: Der Bundestag hat eine Pflegereform mit Tarifbindung ab 2022 beschlossen. Patientenschützer bezeichneten es als Etikettenschwindel, dass die gesetzlich vorgesehene Anpassung aller Pflegeleistungen an die Kostenentwicklung ausbleibe. Zudem gebe es Schlupf-löcher durch Haustarife. Wie machen wir diesen Bereich bei steigender Alters-erwartung zukunftssicher?

Ploß: Mit der Pflegereform haben wir dafür die richtigen Weichen gestellt. Pflegebedürftige werden entlastet. Gleichzeitig müssen wir den Fachkräftemangel in der Pflege weiter angehen. Mit einem einheitlichen Personalschlüssel für Pflegeheime und der Tarifbindung sorgen wir für bessere Arbeitsbedingungen. Die Pflegekassen erhalten zur Gegenfinanzierung zusätzlich rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr.

WB: Seit Jahren wird darüber diskutiert, gerade ist der jüngste Versuch gescheitert. Wie kann man Kinderrechte im Grundgesetz verankern?

Ploß: Leider ist dem federführenden SPD-geführten Familienministerium die Umsetzung nicht gelungen. Das Verfassungsgericht hat jedoch bereits Kindergrundrechte definiert, die auch ohne ausdrückliche Nennung im Grundgesetz gelten. Wir als CDU setzen bei dem Thema auf die Balance zwischen der Verantwortung der Eltern für ihre Kinder und dem staatlichen Schutzauftrag.

WB: Kinder bringen vieles aus ihren Elternhäusern mit – die einen eher Ballast, die anderen gute Beziehungen. Manche haben tolle Kitas und Schulen, bei anderen bröckelt der Putz von der Decke und es gibt zu wenige Erzieher/-innen. Wie schafft man Bildungsgerechtigkeit?

Ploß: Investitionen in frühkindliche Bildung sind der entscheidende Schlüssel dafür, dass wir allen Menschen gleiche Chancen ermöglichen können, unabhängig von ihrem Elternhaus oder ihrer Herkunft. Kitas müssen zu echten Orten der Bildung werden. Außerdem: Gerechtigkeit bedeutet auch Leistungsgerechtigkeit, also dass man etwa Fleiß und Leistungsbereitschaft anerkennt.

WB: Stichwort Gendern: Zwischen männlicher Form und weiblicher Endung wird ein Sternchen, Unter- sowie Bindestrich oder Doppelpunkt ergänzt. Ist diese Anwendung wirklich der richtige Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit?

Ploß: Auf keinen Fall. Die von SPD und Grünen vorangetriebene grammatisch falsche Gender-Sprache („Lehrer/-innen“ oder „Arbeitnehmer/-innenrechte“) lehne ich ab. Sprache sollte verständlich sein und allen Menschen Teilhabe ermöglichen. Ich werde weiter dafür kämpfen, dass in Behörden, Schulen und Unis die deutsche Rechtschreibung verwendet und gelehrt wird.

 

Ploß
Dr. Christoph Ploß  Foto: CDU

Seit 2009 in Berlin

Christoph Ploß vertritt seit 2017 den Wahlkreis Hamburg-Nord/Alstertal als direkt gewählter Abgeordneter im Bundestag. Seit seiner Geburt ist er dort tief verwurzelt. Ploß ist in Winterhude aufgewachsen, ist auf dem Johanneum zur Schule gegangen und hat beim THC Horn-Hamm im Stadtpark Hockey gespielt. Früh hat er alle Ecken des Wahlkreises kennengelernt, da seine Großeltern in Bergstedt wohnten. Nach seinem abgeschlossenen Studium der Geschichte und der Politikwissenschaft an der Uni Hamburg promovierte er zu einem europapolitischen Thema. Bis zur Wahl in den Bundestag war er Pressereferent in einem großen Hamburger Medienhaus und in Hamburg-Nord als Bezirksabgeordneter aktiv.

78,5 Prozent Beteiligung im Wahlkreis 19

♦ Wenn am 26. September die 20. Bundestagswahl steigt, sind in Hamburg rund 1,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Hansestadt ist dabei unterteilt in sechs Wahlkreise mit insgesamt 1268 Wahl-lokalen.
♦ Zum Wahlkreis 19 gehören vom Bezirk Altona die Stadtteile Altona-Altstadt und -Nord, Bahrenfeld, Blankenese, Groß Flottbek, Iserbrook, Lurup, Nienstedten, Osdorf, Othmarschen und Sternschanze. Wahlberechtigt waren 2017 insgesamt 185.942 Bürger/-innen. 78,5 Prozent machten davon Gebrauch. Das Direktmandat ging an Matthias Barthe von der SPD mit 28,9 Prozent.
♦ Wussten sie eigentlich, dass es bundesweit 299 Wahlkreise gibt? Davon liegen – wie eben gerade genannt – 6 in Hamburg. 2017 gab es auch 299 Wahlkreise. Dabei setzte sich die CDU in 185 Wahlkreisen durch, die CSU in 46. Die SPD siegte in 59 Wahlkreisen, die Linke in 5, die AfD in 3 Wahlkreisen. Die Grünen holten einen Wahlkreis 1. Bisherige Rekorde stellten CDU/CSU 1990 mit Siegen in 238 Wahlkreisen und die SPD 1998 mit 212 Wahlkreisen auf. Damals gab es allerdings auch noch 328 Wahlkreise.
♦ Unentschlossene Wähler finden indes eine kostenlose Hilfestellung durch den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Mit dem Wahl-O-Mat können Sie online Ihre eigene politische Einstellung mit den Positionen der Parteien vergleichen.

Das Tool wird am 2. September freigeschaltet unter www.bpb.de

 

Podcast

Weitere Infos und Fakten rund um die Wahl können Sie auch hören – der Podcast des Hamburger Wochenblatts macht’s möglich. In 12 Folgen – Start war am 14. August, drei sind schon online.

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