20. Februar 2021
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Das Leid in Lokstedt zur NS-Zeit

Ein Arbeitslager befand sich auch

Während des Nationalsozialismus erfuhren zahlreiche Zwangsarbeiter/-innen in Lokstedt unerträgliches Leid. Das ist im Stadtteil noch weitgehend unbekannt. Pastorin Annette Müller und eine Lokstedter Geschichtswerkstatt suchen nun nach Zeitzeugen, die sich insbesondere an das Gemeinschaftsarbeitslager an der Stresemannallee zwischen Clematisweg und Veilchenweg erinnern. Die Stresemannallee hieß damals noch Horst-Wessel-Allee.

Hier waren 680 meist sehr junge Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine untergebracht. Laut der Lokstedt Chronik von Horst Grigat arbeiteten 520 von ihnen bei der Radioröhren-Fabrik GmbH Lokstedt. Am 18. Juni 1944 wurden bei einem Luftangriff 140 Zwangsarbeiterinnen auf dem Gelände getötet, weil sie keine Luftschutzbunker aufsuchen durften. Die Radioröhrenfabrik GmbH / Valvowerke, firmiert heute als NXP am Standort. Hier wird seit langem an einer Erinnerungskultur für die Opfer gearbeitet. Im Eingangsbereich erinnert eine Tafel an sie, und es gibt jährliche Gedenkfeiern. Eine kleine Gruppe Interessierter sucht nun nach weiteren Dokumenten, Fotos und Erinnerungen aus der Zeit des Bestandes des Gemein-schaftsarbeitslagers an der Stresemannallee und aus der nachfolgenden Zeit. mf

Wer weiterhelfen kann: Pastorin Annette Müller
unter a.mueller@kirche-lokstedt.de

Lageplan Horst-Wessel-
Weg (Stresemannallee)
aus dem Jahr 1942
Foto: privat

Arbeitslager in Lokstedt
Horst Grigat listet in seinem 1999 erschienenen Lokstedt-Buch sechs Arbeitslager im Stadtteil auf. Die Zwangsarbeiter werden euphemistisch als „Fremdarbeiter“ bezeichnet, die in größeren Betrieben die eingezogenen Soldaten ersetzen sollten. In der Kollaustraße befand sich demnach ein Arbeitslager für 556 Männer, im Arbeitslager Deepen Stücken waren 140 sowjetische Männer und Frauen untergebracht, 150 Russinnen aus dem Arbeiterlager im heutigen Bötelkamp mussten bei Beiersdorf arbeiten, im Rütersbarg befand sich ein Lager für 116 Personen, und in der Grelckstraße, die damals Königstraße hieß, gab es ein Gemeinschaftslager für sechs Franzosen bei der Firma Harry Krüger.

 

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