10. April 2021
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Sebastian Schnoy über Künstler in der Krise

Dem Kabarettisten Sebastian Schnoy ist momentan nicht nach Lachen zumute Foto: Kerstin Pukall

Dem Kabarettisten Sebastian Schnoy ist momentan nicht nach Lachen zumute
Foto: Kerstin Pukall

NIENDORF Der Konzertpianist muss sich als DHL-Bote über Wasser halten, die Sängerin als Stromableserin oder die Schauspielerin als Putzfrau: Sebastian Schnoy hat in seinem neuen Kunstprojekt eine Liste tragischer Lockdown-Biografien erstellt.

Das Lachen ist dem Kabarettisten nach einem Jahr Corona gründlich vergangen. Dabei musste der Niendorfer selbst noch nicht zum Notjob greifen: „Ich hangele mich von einer Corona-Hilfe zur nächsten und schreibe Bücher. Letzteres nachts, denn alle vier Kinder sind zu Hause“, erklärt der 51-Jährige. Auf Facebook hat Schnoy 6500 Follower. Die Künstler/-innen unter ihnen befragte er, wie sie bei Auftrittverbot ihren Lebensunterhalt verdienen.

Die Liste mit mehr als 130 prekären Jobs hat Schnoy nun veröffentlicht. „Wir Kunstschaffende müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Bundesregierung kein Problem damit hat, unsere Branche über ein Jahr komplett auszuschalten. Das ist ein Skandal. Damit muss Schluss sein. Wenn Lockdown, dann für alle Branchen, auch für die Industrie, die Büros und das Handwerk.“

Das Auftreten sei ein Grundbedürfnis für Künstler/-innen und auch für ihre Zuschauer. Die dauerhafte Schließung von Theatern und anderen Kulturstätten sei für Kunstschaffende deprimierend, von vier Suiziden unter Künstlern hat Schnoy bereits gehört. Statt einem derzeitigen „kopflosen Hin und Her“ fordert er die Zero-Covid-Strategie, damit der Dachdecker bald wieder als Stand-up-Comedian auf der Bühne stehen kann, der Wachmann als Musiker, die Parkeinweiserin als Artistin. Und Schnoy als Kabarettist mit seinem Programm „Dummikratie – Warum Deppen Idioten wählen.“

MIRIAM FLÜß

 

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