6. August 2022
Allgemein

Niedrigschwellig und mit Mehrwert

Apotheken dürfen pharmazeutische Dienstleistungen anbieten

Jetzt darf die Beratung in der Apotheke über die reine Medikamentenaufklärung hinaus gehen Symbolfoto: GettyImages

NIENDORF Was muss ich beachten, wenn ich fünf oder sogar noch mehr Medikamente einnehme? Wie gehe ich richtig mit einem Inhalator um, und wie hoch ist mein Blutdruck? Antworten auf diese Fragen erhalten Patient/-innen in Apotheken.

Diese dürfen fünf sogenannte „pharmazeutische Dienstleistungen“ jetzt über die Krankenkassen abrechnen. Davon profitieren auch die Kunden. Zu den Nutznießern dieser aktuellen Neuerung, die ihre rechtliche Grundlage in dem 2020 in Kraft getretenen Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) hat, sind unter anderem Personen mit Atemwegserkrankungen, die Medikamente zum Inhalieren benötigen.

Auf Wunsch erhalten sie eine Beratung zur korrekten Arzneimittelanwendung und üben unter Anleitung des pharmazeutischen Personals (PTA oder Apotheker) auch die Inhalationstechnik. Wer dagegen unter Bluthochdruck leidet und ärztlich verordnete Medikamente erhält, kann in der Apotheke seinen Blutdruck messen lassen.

„Diese Serviceleistungen sind für uns nicht neu“, erklärt Nicolas Della Seta, Inhaber der Centro Apotheke in Niendorf Nord: „Da sie nun aber von den Krankenkassen bezahlt werden, können wir uns dafür deutlich mehr Zeit nehmen.“ Besonders interessant für viele Patienten dürfte seiner Meinung nach die erweiterte Medika-tionsberatung sein. Diese richtet sich an Menschen, die fünf oder mehr verordnete Arzneimittel einnehmen. „In einem Beratungsgespräch kann es dann zunächst um die Fragen gehen, ob die Patienten überhaupt wissen, was ihre Medikamente bewirken und warum die Einnahme notwendig ist“, erläutert der Apotheker. Denn das sei vielen Menschen nicht immer klar. „Wir können zudem kontrollieren, ob und wie sich die Arzneimittel gegenseitig beeinflussen.“

Diese komplexe Beratung darf ausschließlich von Apotheker/-innen angeboten werden. Da hierfür zudem eine spezielle Schulung notwendig ist, sind momentan noch nicht alle Apotheken startbereit. Gleiches gilt für die zwei weiteren Dienstleitungen: die pharmazeutische Betreuung von Personen nach einer Organtransplantation sowie von jenen, die bei einer Krebserkrankung neue Tabletten erhalten haben.
Für die Patienten sind die Neuerungen mit einigen Vorteilen verbunden, meint Nicolas Della Seta: „Das Angebot ist niedrigschwellig. Die Kunden profitieren zudem von einer Zeitersparnis, da die Wartezeiten kurz sind und man Termine buchen kann.“ Alle Angebote sind sowohl für gesetzlich Versicherte als auch für Privatpatienten kostenfrei.

Die Apotheke nimmt die Daten der Person auf, eine Versichertenkarte wird aber nicht eingelesen. Für alle Interessierten gilt: einfach in der Apotheke nachfragen, ob die Serviceleistungen bereits angeboten werden.
Dies sind die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen im Überblick:

♦ Blutdruckmessung für Personen, die einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck haben und Blutdrucksenker einnehmen
♦ Einweisung und Schulung von Patienten mit Atemwegserkrankungen in die richtige Arzneimittelanwendung und Inhalationstechnik
♦ Erweiterte Beratung für Menschen, die mindestens fünf verschriebene Medikamente einnehmen
♦ Pharmazeutische Betreuung krebskranker Menschen mit oraler Tumortherapie
♦ Pharmazeutische Betreuung von Personen nach einer Organtransplantation, die Immunsuppressiva nehmen

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