4. September 2021
Allgemein

Kleiner Fluss mit vielen Gesichtern

Bille-Kenner am Reinbeker Mühlenteich: Autor Jan Peter Gehrckens (li.) und Fotograf Michael Zapf Foto: Klotz

Bille-Kenner am Reinbeker Mühlenteich: Autor Jan Peter Gehrckens (li.) und Fotograf Michael Zapf Foto: Klotz

REINBEK Monatelang haben Jan Peter Gehrckens und Michael Zapf entlang der Bille recherchiert und fotografiert. Jetzt stellten sie im Reinbeker Schloss ihr neues Buch vor, in dem der kleine Nebenfluss der Elbe die absolute Hauptrolle spielt: „Die Bille. Was sonst – Eine Entdeckungsreise von der Quelle bis ins Herz Hamburgs“.

Sie ist 65 Kilometer lang, fließt 42 Kilometer durch schleswig-holsteinisches und danach durch Hamburger Gebiet. Durchquert zwei Naturschutzgebiete, fließt vorbei an zwei Schlössern. „Elegant und räudig zugleich, glitzernd und trüb, mal pieselnd, mal mächtig, vor allem aber eins: niemals langweilig“, schreiben die Autoren in ihrem Vorwort.

Daraus lässt sich doch ein Buch machen, dachten sich die beiden, holten den Hamburger Verlag Ellert & Richter ins Boot und legten los. Schließlich sind beide quasi an der Bille aufgewachsen – Fotograf Michael Zapf hat in Lohbrügge immer die Bille im Blick gehabt, Autor Jan Peter Gehrckens sieht seine Wurzeln gern in Billwerder.

Als Fernsehautor, der hauptsächlich für den NDR arbeitet, kennt Jan Peter Gehrckens sich mit dem Norden und seinen Eigenheiten aus. Und er hat ein Gespür für gute Geschichten. Das Buch liest sich unterhaltsam und spannend, ist gespickt mit witzigen Anekdoten und liefert nebenher noch jede Menge Interessantes und Wissenswertes über die Region an dem kleinen Fluss mit den vielen Gesichtern. Statt sich nur an drögen Fakten entlangzuhangeln, haben die beiden ausgiebige Streifzüge in die Gegend unternommen und das Gebiet von der Quelle in Linau aus erkundet. Was sie dabei am Wegrand der „ewig unterschätzten“ alles entdeckten, wird detailreich und unterhaltsam erzählt.

Wilde Ufer und Müllberge

Kein Wunder. Denn der Fluss, der so idyllisch in Stormarn aus einer glucksenden kleinen Quelle entspringt, nimmt immer wieder überraschende Wendungen. Tauscht Wassermühlen, wilde Uferlandschaft, historische Kirchlein und dörfliche Beschaulichkeit gegen Großstadtflair, Schrottplätze, Müllberge und Hafenatmosphäre ein. „Daher hat uns der Fluss in seiner Vielfältigkeit immer wieder staunen lassen“, sagt Gehrckens. In Bergedorf verschwindet sie zwar unter der Erde. Doch schon in Billwerder ist sie wiederzusehen. Hier haben es dem Autor der „Michel im Kleinformat“, wie er die Kirche St. Nicolai nennt, und die besondere Atmosphäre – „ein bisschen wie das kleine unbezwingbare Dorf aus den Asterixheften“ – besonders angetan. Michael Zapf hingegen schwärmt von der Bergedorfer Bille rund um die Brauereiteiche. Hier hat er den ersten Eisvogel seines Lebens gesehen – und natürlich gleich fotografiert.

Radtouren und Karten

Das Buch, das die Freunde des Schlosses Reinbek e.V. mit 2000 Euro unterstützt haben, beschreibt den gesamten Verlauf. Und es endet bei der Brandshofer Schleuse – dort, wo Bille und Oberhafenkanal aufeinandertreffen und die Bille endlich in die Elbe fließt. „Zum Hafen ist es nur noch ein paar Aal-Längen weit“, schreiben Gehrckens und Zapf. Neben interessantem Lesevergnügen enthält das Buch auf seinen 216 Seiten mit vielen schönen Fotos auch elf Vorschläge für Wanderungen oder Radtouren inklusive Karten.

Übrigens: Am 10. September um 20.15 ist in der NDR-Nordstory ein Film von Jan Peter Gehrckens über Bergedorf zu sehen
Die Bille. Was sonst, ISBN: 978-3-8319-0789-2, Preis: 16,95 Euro

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